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Künstlerbücher transatlantisch – zwischen Kunst und Medium // Kolloquium 4. und 5. Dezember 2014 // Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig

Pressemitteilung vom: 3. Dezember 2014

Die Gattung des Künstlerbuches rückt zunehmend ins Blickfeld nicht nur des bibliothekarischen und musealen Aufgabenspektrums. In ihrer kulturellen Komplexität als Kunstwerk und Medium schlägt das Künstlerbuch eine Brücke zwischen unterschiedlichen künstlerischen Gattungen: dem Text, der freien Grafik, des Grafikdesigns, der Performance, der Musik, der Skulptur – um die wichtigsten zu nennen. Indem der Buchkünstler sich bei seiner Arbeit am Buch als Formatvorgabe selbst bedient, stellt er es zugleich in seiner Funktion als Informationsspeicher in Frage. Künstlerbücher sprengen den formalen Charakter des Buches, suchen seine Grenzen. Diese Suche bezieht in den vergangenen Jahrzehnten auch das e-Book immer stärker mit ein – sei es als Gegenentwurf, zu dem es sich abzugrenzen gilt, sei es als Herausforderung, neue Synthesen zu schaffen.

Künstlerbücher stellen aufgrund ihrer Komplexität besondere Anforderungen an die wissenschaftliche Erschließung, Bewahrung, Veröffentlichung und Ausstellung. Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek und die Initiative Fortbildung für wissenschaftliche Spezialbibliotheken und verwandte Einrichtungen e.V. (IF) richten am 4. und 5. Dezember 2014 ein transatlantisches Kolloquium unter dem Titel American and German Libraries and Archives & the Contemporary Artist’s Book in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig aus. Ermöglicht wird die englischsprachige Tagung durch die finanzielle Unterstützung von BI-International, der Initiative Fortbildung und der Arbeitsgemeinschaft der Kunst- und Museumsbibliotheken (AKMB).

Die Vortragenden kommen aus den USA, Österreich, der Schweiz und Deutschland und decken alle Institutionen ab, die sich mit dem Künstlerbuch beschäftigen: Bibliotheken, Museen, Kunstakademien und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Neben kunsttheoretischen Statements zum Künstlerbuch (z. B. Stephen J. Bury, Frick Library New York; Milan R. Hughston, The Museum of Modern Art, New York; Anne Thurmann-Jajes, Weserburg Museum, Bremen) und Einblicken in Künstlerbuch-Sammlungen (z. B. Doro Boehm, Art Institut of Chicago; Stefan Soltek, Klingspor-Museum Offenbach; Helwig Schmidt-Glintzer, Herzog August).

Bibliothek Wolfenbüttel; Gabriele Netsch, Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek) werden auch aktuelle Forschungsprojekte zum Künstlerbuch vorgestellt (Susanne Bieri, Philippe Kaenel, Schweizerische Nationalbibliothek Bern; Universität Lausanne). Abgerundet wird das Kolloquium durch Erfahrungsberichte aus der Erschließungs- und Ausstellungspraxis.

Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum verspricht sich von dem deutsch-amerikanischen Kolloquium, dass es die Basis zu einer internationalen Plattform für Kooperationen und Netzwerke legt, die im Kontext einer interdisziplinären Gattung wie dem Künstlerbuch von besonderer Bedeutung sind. Erstmals widmet sich hier eine Tagung über die nationalen Grenzen hinweg dem kulturell so vielschichtigen Phänomen Künstlerbuch.

Leipzig bietet sich als Austragungsort für ein Kolloquium zum Künstlerbuch aufgrund der langen buchkünstlerischen Tradition an: Die Stadt ist mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst, der Stiftung Buchkunst, dem Museum für Druckkunst und dem Grassi Museum für Angewandte Kunst geprägt von einem ungewöhnlich dichten Netzwerk an Institutionen, die sich der Buchkunst und dem Künstlerbuch widmen.

Die Sammlung von Künstlerbüchern des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek ist Bestandteil der mit ca. 50.000 Medieneinheiten sehr umfangreichen Sammlung "Künstlerische Drucke". Diese bündelt seit Gründung der Deutschen Bücherei 1913 buchkünstlerische und bibliophile Veröffentlichungen, die aufgrund des Pflichtexemplargesetzes in der Deutschen Nationalbibliothek archiviert und durch die nationalen und internationalen Wettbewerbe der Stiftung Buchkunst ergänzt werden.

Die Sammlung der überwiegend deutschsprachigen Künstlerbücher erfreut sich einer regen Benutzung vor allem durch Studierendengruppen aus Universitäten und Kunsthochschulen und beinhaltet u.a. einen umfangreichen Bestand an alternativen originalgrafischen Büchern und Zeitschriften, die in den 1980er Jahren in der DDR entstanden.

Hintergrund

Am 3. Oktober 1912 wurde in Leipzig die Deutsche Bücherei gegründet. Nach der Teilung Deutschlands wurde zusätzlich in Frankfurt am Main die Deutsche Bibliothek mit dem Deutschen Exilarchiv 1933-1945 gegründet, zu der seit 1970 auch das Ende 2010 nach Leipzig umgezogene Deutsche Musikarchiv gehört. Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum ist seit 1950 Teil der Deutschen Bücherei. Im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die Bibliotheken zusammengeführt.

Seit 2006 trägt die vereinte Institution den Namen Deutsche Nationalbibliothek. Sie sammelt, dokumentiert und archiviert für die Nutzung in Gegenwart und Zukunft das veröffentlichte wissenschaftliche und kulturelle Erbe Deutschlands in Text, Bild und Musik. Gesammelt werden Medienwerke in Papierform, in Mikroformen, Tonträger sowie Medienwerke auf anderen Datenträgern und Netzpublikationen. Die Deutsche Nationalbibliothek bietet neben der Nutzung ihrer Sammlungen in Leipzig und Frankfurt am Main Dienstleistungen für Bibliotheken, Buchhandel, wissenschaftliche Einrichtungen und individuelle Benutzer an.

Programm des Kolloquiums

Ansprechpartnerin

Pressesprecher

Bildmaterial für die Veröffentlichung

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