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Erziehung im deutschen Kaiserreich

"Leicht trennt sich nur die Jugend vom Leben ... Die Sehnsucht nach Erlebnissen macht sie kriegslustig.“ Colmar Freiherr von der Goltz. Das Volk in Waffen, 1883

Kinder wurden im deutschen Kaiserreich nicht nur wie kleine Erwachsene gekleidet, sondern auch in ihrem Denken und Verhalten entsprechend geprägt. Die Vorstellung von Wilhelm II., die Heranwachsenden schon frühzeitig auf einen militärischen Einsatz vorzubereiten, erhielt mit Kriegsausbruch konkrete Umsetzung. Die Erziehung zu Gehorsam, Ordnung, Fleiß, Mut und Pflichtgefühl richtete sich verstärkt auf die Verteidigung des Vaterlandes. Bis 1917 waren Lehrpläne, Unterricht und Schulbücher von Kriegsinhalten dominiert, traditionelle Lehrinhalte wie z. B. Sprachen wurden zurückgedrängt. Fächer wie das Wehrturnen erhielten Bedeutung. Die Kinder lernten u. a., warum Frankreich der Erbfeind Deutschlands war, wer die deutschen Heere anführte, welche Kampftechniken zum Einsatz kamen oder wie viele Granaten sich mit 500 kg Eisen herstellen ließen. Außerhalb des Unterrichts wurden Kriegsstunden abgehalten, die u. a. "vaterländischen Gesang", Berichte über die militärische Lage, Vorträge sowie selbst verfasste Kriegsgedichte beinhalteten.
Neben den herkömmlichen Kinder- und Jugendbüchern kam zwischen 1914 und 1917 eine Flut an Bilderbüchern, Erzählungen und Sachbüchern auf den Markt, die von der Propagierung militaristischer Ideale und der Heroisierung des Krieges durchsetzt waren. Sie dienten der vaterländischen Erziehung, regten die mentale Mobilisierung der jungen Menschen an, animierten zum Kriegsspiel, steigerten aber zugleich den Umsatz der Verlage. Auch die Spiele- und Spielwarenindustrie hatte sich nach Kriegsausbruch sehr schnell auf den neuen Bedarf eingestellt.

Virtueller Rundgang (Auswahl)

Der Sohn des Oberst Ellison von Nidlef posiert auf einem Blindgänger, 1915

Der Sohn des Oberst Ellison von Nidlef posiert auf einem Blindgänger, 1915 Der Sohn des Oberst Ellison von Nidlef posiert auf einem Blindgänger, 1915

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Letzte Änderung: 20.01.2015

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