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Jugend an die Front

"Aber man war, mit einem Schlag, ein Mann geworden, dem Unbekannten, der Gefahr, dem nackten Überleben gegenübergestellt – die Drohung des frühen Todes schien uns dagegen gering.“ Carl Zuckmayer. Als wär´s ein Stück von mir, 1966

Trotz ihrer unterschiedlichen ideologischen Prägungen befürworteten nahezu alle Jugendorganisationen im deutschen Kaiserreich die Beteiligung am Krieg. Der Jungdeutschlandbund spielte eine besondere Rolle bei der militärischen Vorbereitung der schulentlassenen Jugend. Er fungierte als Dachorganisation der Pfadfinder, der Jugendwehr, der Wehrkraft-Vereine und anderer bürgerlicher Jugendverbünde und verzeichnete 1914 rund 750.000 Mitglieder. Mit Wanderungen, Vorträgen, Turnen, Exerzieren und Kriegsspielen wurden die Jugendlichen mental und physisch auf den Wehreinsatz vorbereitet. Selbst die ursprünglich als Protestbewegung junger bürgerlicher Menschen gegen die wilhelminische Gesellschaft entstandene Wandervogelbewegung sah es als Pflicht an, bei der Verteidigung des Vaterlandes mitzuwirken. Auch viele junge Arbeiter meldeten sich zum Kriegsdienst und schlossen sich den Jugendkompanien an. Nur eine Minderheit leistete Widerstand gegen die Einflussnahme der SPD.

Viele Fotos aus dem Krieg zeigen eine kriegsbegeisterte Jugend. Dieses Bild ist aber zwiespältig und war Teil der Propaganda. Ob Abenteuerlust, patriotische Begeisterung, Pflichtgefühl oder Druck aus dem gesellschaftlichen Umfeld – die Beweggründe, sich zum Heeresdienst zu melden, waren sehr differenziert. Literatur, Presse und Populärgrafik hielten manipulierte Siegesberichte und reale oder fiktive Heldenbilder für die Jungen und Mädchen bereit. Schiffs- und U-Boot-Kapitäne, Piloten der Kampfflugzeuge oder aufopferungsvolle Krankenschwestern sollten als tapfere Einzelkämpfer und stilisierte Vorbilder der zunehmenden Ernüchterung über den Kriegsverlauf entgegenwirken und an die Vaterlandstreue appellieren.

Virtueller Rundgang (Auswahl)

Paul Rieth (1871-1925): Junger Mann mit Reichsflagge

Paul Rieth (1871-1925): Junger Mann mit Reichsflagge Paul Rieth (1871-1925): Junger Mann mit Reichsflagge

Jugend, 1916, Nr. 1
Deutsche Nationalbibliothek, Deutsches Buch- und Schriftmuseum

Letzte Änderung: 20.01.2015

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