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Jugend an die Front

"Aber man war, mit einem Schlag, ein Mann geworden, dem Unbekannten, der Gefahr, dem nackten Überleben gegenübergestellt – die Drohung des frühen Todes schien uns dagegen gering.“ Carl Zuckmayer. Als wär´s ein Stück von mir, 1966

Trotz ihrer unterschiedlichen ideologischen Prägungen befürworteten nahezu alle Jugendorganisationen im deutschen Kaiserreich die Beteiligung am Krieg. Der Jungdeutschlandbund spielte eine besondere Rolle bei der militärischen Vorbereitung der schulentlassenen Jugend. Er fungierte als Dachorganisation der Pfadfinder, der Jugendwehr, der Wehrkraft-Vereine und anderer bürgerlicher Jugendverbünde und verzeichnete 1914 rund 750.000 Mitglieder. Mit Wanderungen, Vorträgen, Turnen, Exerzieren und Kriegsspielen wurden die Jugendlichen mental und physisch auf den Wehreinsatz vorbereitet. Selbst die ursprünglich als Protestbewegung junger bürgerlicher Menschen gegen die wilhelminische Gesellschaft entstandene Wandervogelbewegung sah es als Pflicht an, bei der Verteidigung des Vaterlandes mitzuwirken. Auch viele junge Arbeiter meldeten sich zum Kriegsdienst und schlossen sich den Jugendkompanien an. Nur eine Minderheit leistete Widerstand gegen die Einflussnahme der SPD.

Viele Fotos aus dem Krieg zeigen eine kriegsbegeisterte Jugend. Dieses Bild ist aber zwiespältig und war Teil der Propaganda. Ob Abenteuerlust, patriotische Begeisterung, Pflichtgefühl oder Druck aus dem gesellschaftlichen Umfeld – die Beweggründe, sich zum Heeresdienst zu melden, waren sehr differenziert. Literatur, Presse und Populärgrafik hielten manipulierte Siegesberichte und reale oder fiktive Heldenbilder für die Jungen und Mädchen bereit. Schiffs- und U-Boot-Kapitäne, Piloten der Kampfflugzeuge oder aufopferungsvolle Krankenschwestern sollten als tapfere Einzelkämpfer und stilisierte Vorbilder der zunehmenden Ernüchterung über den Kriegsverlauf entgegenwirken und an die Vaterlandstreue appellieren.

Virtueller Rundgang (Auswahl)

Rudolf Pfnister (1892-1942): Portät, Militärpass, Eisernes Kreuz und andere Auszeichnungen

Rudolf Pfnister (1892-1942): Portät, Militärpass, Eisernes Kreuz und andere Auszeichnungen Rudolf Pfnister (1892-1942): Portät, Militärpass, Eisernes Kreuz und andere Auszeichnungen

Privatsammlung

Pfnister wurde, am 23.12.1892 in Lucka geboren, im November 1914 als Ersatz-Rekrut einberufen und 1916/1917 zum Unteroffizier und Vizewachtmeister befördert. Sein Militärpass weist den Einsatz in der Feldartillerie in verschiedenen Gefechten aus, u. a. in der heftig umkämpften Region an der Aisne, in Stellungskämpfen in der Champagne, in Reims, in der Schlacht an der Somme und um Verdun. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz und der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Im September 1918 geriet er in französische Gefangenschaft und wurde am 1. Oktober 1919 in die Heimat entlassen.

Letzte Änderung: 20.01.2015

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