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Thomaner forever: Noten aufzeichnen – Klang speichern

Eine Ausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums und des Deutschen Musikarchivs im Schautresor der Deutschen Nationalbibliothek
3. November 2012 bis 5. Mai 2013

Heute, da Musik allerorten als Konserve verfügbar ist, lässt sich kaum mehr nachvollziehen, dass das Musikhören über Jahrtausende hinweg ausschließlich an den Moment der Aufführung gebunden war. Als Beitrag zum 800. Geburtstag der Thomaner lenkt die Deutsche Nationalbibliothek mit Exponaten aus den Sammlungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums und des Deutschen Musikarchivs die Aufmerksamkeit auf die technischen Voraussetzungen zur Speicherung und Verbreitung von Musik, die es erst erlauben, den flüchtigen Klang auf Dauer zu bewahren.

Um 625 n. Chr. wies der Historiker und Bischof Isidor von Sevilla in seiner Enzyklopädie (Etymologiae) auf das Problem des flüchtigen Klangs hin: „Wenn sie nämlich nicht von den Menschen im Gedächtnis behalten werden, vergehen die Töne, weil sie sich ja nicht aufschreiben lassen.“ Schon in der Antike hatte man versucht, Töne mit Hilfe von Buchstaben zu kennzeichnen. Die Entwicklung der grafischen Darstellung von Musik begann jedoch erst im 9. Jahrhundert. Zunächst wurden Strich- und Punktzeichen, die so genannten Neumen, über den Liedtexten notiert, um den melodischen Verlauf einstimmiger Gesänge kenntlich zu machen. Diese Notation war nur eine grobe Gedächtnisstütze für einstimmige Gesänge. Erst nachdem der Benediktinermönch Guido von Arezzo um 1000 das Liniensystem eingeführt hatte, konnten Tonhöhen fixiert werden. Im 13. Jahrhundert kam ein neues Notationssystem in Gebrauch, mit dem auch Rhythmus und Tonwerte zuverlässig dargestellt werden konnten – eine Voraussetzung für die exakte Aufzeichnung mehrstimmiger Musik.

Ausgehend von der handschriftlichen Notation über die verschiedenen Notendrucktechniken bis zur Notenschreibmaschine stellt die kleine Ausstellung wichtige Entwicklungsstufen und Innovationen vor, die es ermöglichten, Noten aufzuzeichnen und zu vervielfältigen. Die Pioniere der Phonographie - Thomas Alva Edison und Emil Berliner - lösten mit der Aufzeichnung und Wiedergabe von Schall einen Qualitätssprung aus. Jetzt konnten nicht nur die Vorlagen zur musikalischen Aufführung gespeichert werden, sondern die Musik selbst. Wachszylinder, Schallplatten aus Hartgummi, Schellack und schließlich Vinyl (PVC) wurden Träger für Tonaufnahmen bis die Digitalisierung seit den 1990er Jahren der Tradierung und dem Konsum von Musik völlig neue Dimensionen eröffnete.

Letzte Änderung: 22.10.2012

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