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Sammlung historischer Abspielgeräte

Edison-Diamond-Disc-Phonograph "Model W-250 William an Mary"

aus dem Jahr 1917/1918 mit Doppelfedermotor (damaliger Preis: 250, später 285 US Dollar)

Edison-Diamond-Disc-Phonograph Model W-250 William an Mary Edison-Diamond-Disc-Phonograph "Model W-250 William an Mary"

Durch die Einführung von Emile Berliners Schellackplatten und den dazugehörigen Grammophonen wurde bald klar, dass die Edison-Walze (oder Edison-Zylinder) ins Hintertreffen geraten würde. Daher versuchte Edison diesem Trend entgegenzusteuern. 1913 stellte er ein eigenes Schallplattenformat vor, die Diamond Disc. Wie auch bei den Edison-Walzen, verwendete dieses System ausschließlich Tiefenschrift und konnte nur auf einem so genannten Diamond-Disc-Phonographen abgespielt werden. Die Edison-Diamond-Platten bestanden aus Condensit - eine Mischung aus Phenol, Formaldehyd, Holzmehl und Lösungsmittel, die einen sehr robusten Plattenkern bildete. Dieser Kern wurde mit einer Lackschicht aus phenolhaltigem Kunstharz überzogen und erhielt dann im Pressverfahren seine Rillen von einer Matrize.

Im Gegensatz zu der bei fast allen Schellackplatten verwendeten Seitenschrift, blieb Edison auch hier bei seiner Tiefenschrift, d.h. das Nutzsignal lag vertikal in der Rille vor. Die Diamond Discs hatten einen Durchmesser von 25 cm (entspricht 10") und waren 5 mm dick. Die Umdrehungsgeschwindigkeit lag bei 80 UpM. Eine Diamond Disc konnte nicht auf einem herkömmlichen Grammophon abgespielt werden, sie wäre durch die Stahlnadel beschädigt worden. Stattdessen wurde von Edison ein eigenes Abspielgerät, der Diamond-Disc-Phonograph entwickelt und verkauft. Statt der bei Schellack-Grammophonen üblichen Stahlnadel verwendete Edison zum Abtasten seiner Diamond Discs einen Diamantsaphir, der mit einem sehr hohen Auflagegewicht von 300 g arbeitete. Die maximale Spieldauer der Diamond Disc betrug ungefähr viereinhalb Minuten. Die Tonqualität war im Vergleich zu den Schellackaufnahmen deutlich besser und bot wesentlich mehr Details. Insbesondere Klavieraufnahmen klangen überzeugender. So machte bereits im April 1919 der russische Pianist Sergei Rachmaninow seine ersten Aufnahmen auf Edison Diamond Discs, wechselte aber kurz darauf zu Victor aufgrund von Streitigkeiten bei der Veröffentlichung.

1914 brannte Edisons Aufnahmestudio in West Orange, New Jersey, mit sämtlichem Zubehör für die Walzenaufnahme nieder. Statt eines kostspieligen Neuaufbaus wurde beschlossen, die Walzen künftig von Diamond-Disc-Aufnahmen zu kopieren. Bis in die letzten Jahre der Firma erfolgte dies ausschließlich auf akustischem Wege. Daher besitzen Walzen aus dieser Zeit eine weniger starke Brillanz als ihre Vorgänger.

Trotz der klanglichen Vorteile gegenüber der Schellackplatte konnte sich das Edison-Diamond-Disc-System nicht durchsetzen. Der Preis für einen Diamond-Disc-Phonographen und die zugehörigen Platten war deutlich höher als der für ein übliches Grammophon. Zudem war man zu sehr auf die eigene Plattenmarke von Edison fixiert, da er keine Zusammenarbeit oder Lizenzvergabe mit anderen Herstellern erwog. Adaptervorrichtungen einiger Hersteller, mit denen sich auch Schellacks auf dem Edison-Gerät abspielen ließen, konnten den Niedergang des Formats nicht aufhalten.

1928 übernahm Edisons Sohn Charles die Firma. Die Rettung der Firma gelang jedoch nicht, schon im Oktober des gleiches Jahres wurde bekannt gegeben, dass die Edison Phonograph Company nicht mehr im Geschäft sei.

Das Format wurde auch von anderen Herstellern nicht weiter verfolgt und stellt heute eine interessante Sackgasse in der technischen Entwicklung der Schallplatte in der Schellackära dar.

Letzte Änderung: 13.7.2012

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