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Grundzüge und erste Schritte der künftigen inhaltlichen Erschliessung von Publikationen in der Deutschen Nationalbibliothek

Vorbemerkung

Die parallele Verbreitung von analogen und digitalen Informationen führt zu einer stetig ansteigenden Menge neu erscheinender Publikationen. Die Auswertungsmöglichkeiten digitaler Inhalte, die Kooperationsmöglichkeiten durch das Internet sowie die Entwicklung technischer Verfahren, Inhalte miteinander vernetzen und thematisch in Beziehung setzen zu können, lassen Raum, bibliothekarische Erschließungsverfahren neu zu denken. Erschließung muss dabei nicht mehr als einmaliger abgeschlossener Vorgang, sondern kann als zyklisches Verfahren betrachtet werden, bei dem Erschließungsdaten immer wieder verändert und aktualisiert werden.

Im Strategischen Kompass 2025 der Deutschen Nationalbibliothek, der im vergangenen Jahr erschienen ist, wird die Neuausrichtung der inhaltlichen Erschließung mittels maschineller Verfahren im Grundsatz skizziert (Strategischer Kompass 2025, S. 5). Dieser strategischen Festlegung gingen fachliche Diskussionen sowohl hausintern als auch in den Gremien der Deutschen Nationalbibliothek voraus, im Erschließungskonzept 2015 ist die Entwicklung bereits kurz beschrieben. Von externen Kolleginnen und Kollegen kam immer wieder die Aufforderung an die Deutsche Nationalbibliothek, sich hier stärker einzubringen und zu engagieren. In den Strategischen Prioritäten 2017–2020 wurden daher entsprechende Ziele formuliert, die bei der Erschließung sowohl der digitalen als auch der analogen Publikationen zum Tragen kommen sollen.

Bisher war die intellektuelle inhaltliche Erschließung nur auf einen Teil des Bibliothekszugangs, insbesondere gedruckte monografische Werke und Zeitschriftentitel, beschränkt. Für Online-Publikationen hat die DNB 2010 die Grundsatzentscheidung getroffen, diese nicht mehr intellektuell zu erschließen, sondern die Metadaten der Ablieferer nachzunutzen und maschinelle Verfahren zu entwickeln, um solche Publikationen zum Beispiel mit inhaltserschließenden Daten anzureichern. Dies wird seitdem praktiziert. Durch das enorme Anwachsen des digitalen Zugangs wird der Anteil intellektuell erschlossener Publikationen in Relation zu maschinell erstellten Daten immer geringer. Damit geht das Problem einher, dass die Heterogenität zunimmt und der thematische Zugriff auf Daten und damit Publikationen erschwert wird. Diesem Umstand will die Deutsche Nationalbibliothek durch den Umstieg auf automatische Inhaltserschließungsverfahren für alle Medienwerke entgegentreten. Im Sinne des oben genannten veränderten Verständnisses von Erschließung als zyklischem Vorgang können die maschinell entstandenen Metadaten zu jedem späteren Zeitpunkt erweitert und damit verbessert werden. Eine Metadatencodierung für den Datensatz oder die einzelnen Informationsanteile gibt Auskunft über deren Status. Identifikatoren für den Datensatz oder für einzelne Informationsanteile, wie zum Beispiel GND- oder WV-Identnummern dienen der Nachnutzung.

Grundzüge der künftigen inhaltlichen Erschließung

Inhaltliche Erschließung erfolgt derzeit durch klassifikatorische und verbale Methoden. Neben der Volltextsuche und der Zugänglichkeit über digitalisierte Inhaltsverzeichnisse wird damit ein strukturierter und normierter thematischer Zugriff auf große Dokumentmengen geboten.
Ziel der strategischen Planung 2017 bis 2020 ist es, mit effizient gestalteten Prozessen und gezielten Erschließungsstrategien möglichst alle Publikationen inhaltlich so zu erschließen, dass sie den Möglichkeiten und Erfordernissen moderner Informations- und Retrievalsysteme gerecht werden und damit für die verschiedenen Nutzergruppen einfach und präzise thematisch recherchierbar sind. Dies kann nur durch die Nutzung und Ausweitung maschineller Verfahren sowie durch Übernahme und Abgleich von Fremddaten ermöglicht werden. Angestrebt wird ein grundsätzlich alle Medienarten berücksichtigendes Vorgehen für die Optimierung der Erschließungsprozesse, aufbauend auf den bereits etablierten und den sich bietenden zusätzlichen technischen Möglichkeiten.

Konkret bedeutet das, dass die Deutsche Nationalbibliothek in diesem Jahr damit beginnt, neben der maschinellen Bearbeitung von digitalen Publikationen auch für die inhaltliche Erschließung gedruckter Publikationen standardmäßig automatische Verfahren einzusetzen.

Für digitale Publikationen werden DDC-Sachgruppen und Schlagwörter aus der GND bereits routinemäßig maschinell vergeben. Künftig wird darüber hinaus die maschinelle klassifikatorische Erschließung mit DDC-Kurznotationen erfolgen, die derzeit von der DNB entwickelt werden. Dabei werden die Segmentierungszeichen der DDC zur Kürzung von Notationen zunächst unter Berücksichtigung des eigenen Literaturaufkommens für die einzelnen Fächer zugrunde gelegt. Das Verfahren ist auf Bestände anderer Bibliotheken erweiterbar, kooperative Weiterentwicklungen sind hier zu erwarten und wünschenswert.

Die bisherige klassifikatorische Tiefenerschließung mit vollständigen DDC-Notationen wird im Gegenzug eingestellt werden, das heißt auch im Falle einer intellektuellen Erschließung werden ausschließlich Kurznotationen vergeben. Dies wird voraussichtlich mit Beginn des Jahres 2018 der Fall sein.

Automatische Erschließungsverfahren benötigen zur Aktualisierung und Ergänzung der verwende­ten Terminologie und Verbesserung ihrer Ergebnisse eine entsprechende intellektuelle Überwachung und Steuerung. Dazu werden Verfahren des Qualitätsmanagements aufgebaut. Eine intellektuelle inhaltliche Erschließung erfolgt nur noch dann, wenn maschinelle Verfahren entweder nicht zur Verfügung stehen, keine ausreichenden Ergebnisse liefern oder intellektuell erstellte Daten für die Weiterentwicklung der maschinellen Verfahren benötigt werden.

Bei physischen Publikationen werden alle zu dem Medienwerk vorhandenen digitalen Informationen als Grundlage für die maschinelle Erzeugung von Schlagwörtern und Notationen herangezogen (zum Beispiel parallele Online-Ausgaben, digitalisierte Inhaltsverzeichnisse oder Abstracts, Klappen- und Umschlagstexte).

Erste Schritte der künftigen inhaltlichen Erschließung

Für Publikationen der Reihen B und H wurde die Auswertung vorhandener digitaler Informationen in den letzten Monaten erprobt. Die inhaltliche Erschließung der in den Reihen B und H verzeichneten Medienwerke wird daher ab 1. September 2017 auf maschinelle Verfahren umgestellt. Die deutsch- und englischsprachigen Publikationen werden wie bisher mit DDC-Sachgruppen erschlossen, darüber hinaus mit Schlagwörtern aus der Gemeinsamen Normdatei (GND). Die entsprechenden Daten werden voraussichtlich ab Mitte September 2017 bereitgestellt, gekennzeichnet mit einem entsprechenden Herkunftskennzeichen. Die bisherige klassifikatorische Tiefenerschließung mit der Dewey-Dezimalklassifikation (DDC) wird für die Reihen B und H ab 1. September 2017 eingestellt. Sie soll durch DDC-Kurznotationen ersetzt werden.

Ebenfalls zum 1. September 2017 wird die Erschließung der Belletristik (DDC-Sachgruppe B) und der Kinder- und Jugendliteratur (DDC-Sachgruppe K) angepasst. Diese werden mit DDC-Sachgruppen und Gattungsbegriffen erschlossen. Inhaltserschließung als Verlagsinformation wird Teil der bereitgestellten Daten.

Ausblick

Die Deutsche Nationalbibliothek wird die maschinellen Erschließungsverfahren laufend weiterentwickeln und ausweiten und sich aktuelle technische Entwicklungen zunutze machen, um für möglichst alle Publikationen eine einheitliche inhaltliche Erschließung zu ermöglichen. Die Verfahren werden dem technischen Fortschritt folgend ständig angepasst und durch intellektuelle Steuerung begleitet. Über die einzelnen Entwicklungen, Schritte und Maßnahmen wird die DNB jeweils ausführlich und rechtzeitig berichten. Veränderungen in der Erschließungspraxis, die sich auf die Datendienste der DNB auswirken, werden jeweils rechtzeitig über die üblichen Kanäle angekündigt.

Für Rückfragen für das hier beschriebene Konzept stehen die folgenden Ansprechpersonen jederzeit zur Verfügung

Letzte Änderung: 25.07.2017

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