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Jahresbericht 2001

Von Generaldirektorin Dr. Elisabeth Niggemann

Hybride Bibliothek

Das Ergebnis des Jahres 2001 heißt rechnerisch: 287.214 + 292.543 = 579.757 = circa 3.500 Regalmeter. Dies sind gedruckte, verfilmte, elektronische, handgeschriebene und andere Werke, die im Jahr 2001 von Der Deutschen Bibliothek gesammelt wurden und den Bestand auf 17.965.590 »Einheiten« haben anwachsen lassen. Die elektronischen Medien, ob online oder auf physischen Datenträgern, machen daran mit einem Gesamtbestand von zurzeit rund 44.000 Exemplaren bisher nur einen geringen Anteil aus. Ihre Zahl nimmt allerdings täglich zu.

Richtig ist: Die elektronischen Medien sind aus der Informations- und Publikationsvielfalt nicht mehr wegzudenken und gewinnen kontinuierlich an Bedeutung. Falsch ist: Das gedruckte Werk und andere konventionelle Medien werden schon bald in großem Maße verdrängt und durch elektronische Varianten ersetzt.

So zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahre deutlich: Die »hybride Bibliothek« steht im Mittelpunkt der Aktivitäten Der Deutschen Bibliothek. Zwar beherrscht die Diskussion um digitale und virtuelle Bibliotheken nach wie vor die Bibliothekslandschaft, doch spielt Gedrucktes auf Papier oder Mikrofilm, Tonträger und andere Materialien nicht nur in den Aktivitäten Der Deutschen Bibliothek weiterhin eine wichtige Rolle. Virtuelle Bibliotheken sowie digitale Bibliotheken sind dann sinnvoll, wenn sie in das umfassendere Konzept einer hybriden Bibliothek im Sinne einer Vermischung der Medienarten eingebunden werden. Die immer bessere Verfügbarkeit sowohl digitaler wie gedruckter, traditioneller und neuer Medien steht dabei im Vordergrund. Die kontinuierliche Verfolgung dieses Ziels spiegelt sich in den Aktivitäten des vergangenen Jahres wider.

Arbeitsschwerpunkte

Die Schwerpunkte lagen in der Standardisierungsarbeit, der Weiterentwicklung des Verfahrens zur Sammlung, Archivierung und Verfügbarkeit von Netzpublikationen und internen Umstrukturierungsprojekten wie der Reorganisation der Erwerbung und Formalerschließung.

Personalia

Personelle Veränderungen im Bibliotheksmanagement prägten das Jahr 2001. Birgit Schneider wurde am 1. Dezember neue Leiterin der Deutschen Bücherei Leipzig und Ständige Vertreterin der Generaldirektorin Der Deutschen Bibliothek. Zu ihren Aufgaben gehören auch die Planung, Koordinierung und Weiterentwicklung der Bestanderhaltung an allen Standorten Der Deutschen Bibliothek sowie die Leitung der Abteilung Sacherschließung der Deutschen Bücherei Leipzig. Sie folgte Irmgard Spencker als Ständige Vertreterin der Generaldirektorin und Joachim Kaubisch als Leiter der Abteilung Sacherschließung in der Deutschen Bücherei Leipzig nach, die beide 2001 in den Ruhestand gingen. Jörg Räuber übernahm die Leitung der Abteilung Benutzung, Archivierung, Auskunft in Leipzig, die vorher von Irmgard Spencker wahrgenommen wurde. Die Abteilung Zentrale Verwaltung und Rechtsangelegenheiten wird seit Sommer 2001 von Michael Fernau geleitet. Er folgte Irene Fahrenheim nach, die zum 1. Oktober 2000 in den Ruhestand ging. Als Ergebnis einer internen Organisationsanalyse wurden sowohl in der Deutschen Bücherei Leipzig als auch in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main die Abteilungen Erwerbung und Formalerschließung zusammengelegt. Leiter der neuen Gesamtabteilung in Frankfurt am Main ist seit dem 1. November 2001 Reinhard Rinn, für Leipzig übernahm Angela Matthias zum 1. Dezember 2001 die Leitung. Die Leiter der Abteilungen Formalerschließung, Christa Pohlmann in Leipzig und Rainer Erzepky in Frankfurt am Main, gingen ebenfalls in den Ruhestand.

Standardisierungs- und Regelwerksarbeit

Nachdem Die Deutsche Bibliothek im Jahr 2000 die Koordinierung der Regelwerks- und Standardisierungsarbeit übernommen hatte, wurde die neue Organisationseinheit Arbeitsstelle für Standardisierung (AfS) eingerichtet. Im Jahr 2001 wurde eine tragfähige organisatorische Grundlage geschaffen: für die detaillierte Facharbeit wurden als Teilbereiche der AfS Arbeitsstellen für Regelwerke der Formal- und Sacherschließung / Erschließung Elektronischer Ressourcen, für Normdateien sowie für Datenformate und Kommunikationsschnittstellen geschaffen. Expertengruppen unterstützen die Arbeit der Arbeitsstellen durch fachliche Beratung, Diskussion und Beschlussfassung von Entwürfen. Die Zuständigkeiten und Verfahrensfragen sind in der vom Standardisierungsausschuss im Juni verabschiedeten Geschäftsordnung geregelt.

Die Diskussion über den Umstieg bzw. die Migration der deutschen Regelwerke und Formate auf internationale Regelwerke und Formate hat im Laufe des letzten Jahres eine enorme Dynamik bekommen. Der Standardisierungsausschuss hat daraufhin in seiner Sitzung im Dezember 2001 einen richtungsweisenden Beschluss gefasst: »Der Standardisierungsausschuss strebt grundsätzlich einen Umstieg von den deutschen auf internationale Regelwerke und Formate (AACR und MARC) an. Dazu sind in einer Studie die Rahmenbedingungen, Konsequenzen und Zeitablauf insbesondere unter betriebswirtschaftlichen Aspekten zu erarbeiten. Die Weiterentwicklung der RAK sollte in diesem Zusammenhang nur noch unter unabdingbar notwendigen und internationalen Entwicklungen nicht zuwiderlaufenden Modifikationen verfolgt und spätestens zum Jahresende 2003 eingestellt werden«. Ein Antrag auf Förderung der Studie durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wurde bereits im Dezember vorbereitet. Die DFG entscheidet darüber voraussichtlich im Laufe dieses Frühjahrs. Durch die vom Standardisierungsausschuss im November 2000 und im Mai 2001 getroffenen Beschlüsse lag das Hauptaugenmerk der fachlichen Arbeit zunächst noch auf der zeitgerechten Weiterentwicklung der Regeln für die Alphabetische Katalogisierung (RAK). Der dafür vorgelegte Projektplan mit dem Ziel eines revidierten Gesamtregelwerks unter Integration aller RAK-Sonderregeln soll nun vor dem Hintergrund des oben zitierten Beschlusses vom Dezember auf unabdingbare Notwendigkeit und internationale Konformität überprüft und angepasst werden.

Bibliothek und Archiv des Börsenvereins

Ein Höhepunkt in der Ergänzung der Sammlungen Der Deutschen Bibliothek ist die Bibliothek und das Historische Archiv des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Die beiden Institutionen vereinbarten die Übernahme der Bibliothek und des Archivs als Depositum durch Die Deutsche Bibliothek im Laufe diesen Jahres. Die Deutsche Bibliothek erhält damit eine der größten deutschen Spezialbibliotheken für das Fachgebiet des Verlagswesens und des Buchhandels in Geschichte und Gegenwart. Das Historische Archiv ergänzt in hervorragender Weise den bereits seit 1953 im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Bücherei Leipzig vorhandenen Bestand der alten Börsenvereinsbibliothek. Die Bibliothek und das Archiv werden in das nationalbibliothekarische Umfeld und Überlieferungskontinuum eingeordnet. Öffentlichkeit und Zugänglichkeit, Archivierung und Langzeitsicherung sind so bei repräsentativer Unterbringung gesichert. Die Bibliothek und das Archiv werden auf Wunsch des Börsenvereins in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main aufgestellt. Der Umzug der Bibliothek wurde bereits im April erfolgreich abgeschlossen.

Haushalt

Die Haushaltslage ist unverändert kritisch. Mit dem Sparprogramm der Bundesregierung wurde der jährliche Bundeszuschuss zum Betriebshaushalt Der Deutschen Bibliothek für die Haushaltsjahre 2000 bis 2004 mit einem jährlich gleichbleibenden Betrag festgeschrieben. Steigende Kosten müssen innerhalb dieses Ansatzes ausgeglichen werden. Dazu gehören auch sämtliche Personalkosten, die Die Deutsche Bibliothek als bundesunmittelbare Anstalt des öffentlichen Rechts aus eigenen Haushaltsmitteln zahlen muss. Als Konsequenz wurden hier drastische Sparmaßnahmen, beispielsweise bei der Gebäudebewirtschaftung und eine freiwillig verhängte halbjährige Stellenbesetzungssperre eingeführt.

Baugeschehen

Planungssicherheit herrscht nun erfreulicherweise bei der Raumbedarfsplanung für den dringend benötigten Erweiterungsbau der Deutschen Bücherei Leipzig. Erste Haushaltsmittel für den Bau sind für das Jahr 2004 vorgesehen. Zurzeit wird ein europaweiter Architektenwettbewerb durchgeführt. Die Ausführungsplanung soll im Jahr 2002 starten, so dass mit dem Beginn der Bauarbeiten im Herbst 2004 gerechnet werden kann.

Das Deutsche Musikarchiv Berlin ist seit 1978 in der denkmalgeschützten, so genannten »Siemensvilla« ansässig. Das Dach des bundeseigenen Gebäudes ist dringend sanierungsbedürftig und müsste außerdem für die Bedürfnisse des Musikarchivs weiter aus- und umgebaut werden. Die Suche nach alternativen, besser geeigneten Immobilien innerhalb Berlins im Laufe des Jahres 2001 blieb erfolglos. Bevor weit reichende Entscheidungen getroffen werden, soll eine Wirtschaftlichkeitsstudie Aufschluss geben über die wirtschaftlichste und sinnvollste Standortlösung innerhalb Berlins.

Nach dem Einbau von Kühleinrichtungen für die Belüftung in den Lesesälen und im Vortragssaal der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main können die Besucherinnen und Besucher nun auch bei warmen Außentemperaturen einen kühlen Kopf bewahren.

Das 3. Magazin-Untergeschoss der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main, das bisher leer stand, wird aus konservatorischen und organisatorischen Gründen für die Unterbringung des stetig wachsenden Bestands in absehbarer Zeit benötigt. Nachdem die Finanzierung gesichert ist, kann im Frühjahr 2002 mit den Ausstattungsarbeiten begonnen werden.

Interne Projekte - Bibliotheksorganisation

Reorganisation - Als Ergebnis einer internen Organisationsanalyse wurden Ende des Jahres sowohl in der Deutschen Bücherei Leipzig als auch in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main die Abteilungen Erwerbung und Formalerschließung zusammengelegt und mit der Einführung eines prozessorientierten Geschäftsgangs begonnen. Die Organisationsstruktur der beiden neuen Abteilungen in Leipzig und Frankfurt am Main wurde auf der Grundlage einer detaillierten Untersuchung der Arbeitsabläufe sowie unter Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickelt.

Führungskräftefortbildung - Parallel dazu entwickelte Die Deutsche Bibliothek ein Konzept für interne und externe Schulungen zur Fortbildung von Führungskräften, das insbesondere die mittlere und untere Führungsebene berücksichtigt.

Intranet - Interne Informationen werden seit Oktober an einer Stelle gebündelt im Intranet Der Deutschen Bibliothek veröffentlicht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich über die neue Informationsplattform schnell und aktuell informieren.

Daten- und Netzmigration - Mit der Migration der zentralen PICA-Software von der Großrechner-Plattform Tandem auf SUN-Maschinen wurde begonnen. Damit verbunden ist ein Umstieg auf eine neue Software unter UNIX. Außerdem wurde eine komplette Migration der Frankfurter- und Berliner Datennetze durchgeführt und die Datenverbindungen zwischen den drei Standorten sowie die Verbindung zum Internet ausgebaut. Die Erwerbungssysteme für Tonträger und Musikalien sowie Noten des Deutschen Musikarchivs Berlin wurden erfolgreich auf eine neue Hardwareplattform überführt.

Benutzung

Zahlen - Von 16.148 Benutzerinnen und Benutzern wurden in der Deutschen Bücherei Leipzig an 291 Öffnungstagen 476.064 Bestellungen aufgegeben. In der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main (mit dem Deutschen Musikarchiv Berlin) bestellten 19.058 Leserinnen und Leser an 270 Öffnungstagen 418.142 Werke zur Benutzung im Lesesaal.

Benutzungsgebühren - Die Dienstleistungen und Serviceangebote Der Deutschen Bibliothek werden in den Lesesälen in Leipzig und Frankfurt unvermindert stark nachgefragt. Oberstes Ziel ist es nach wie vor, trotz der angespannten Haushaltslage und Personalsituation die Qualität des Service aufrechtzuerhalten. Um dies weiterhin zu gewährleisten, trat im September die neue Gebühren- und Entgeltordnung in Kraft. Die Benutzungsgebühren werden verwendet, um Aushilfskräfte für das Magazin und die Bücherausgabe einzustellen. Die Mehreinnahmen durch erhöhte Kopiergebühren werden für die Bestandserhaltung verwendet.

Online-Katalog - Kürzere Suchzeiten und verbesserte Suchoptionen bietet eine neue OPAC-Version, die im Oktober 2001 zeitgleich in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main, in der Deutschen Bücherei Leipzig sowie im Internet freigeschaltet wurde.

Bestand und herausragende Neuerwerbungen

Zahlen - Der Bestand der Deutschen Bücherei Leipzig wuchs im Berichtsjahr um 287.214 auf insgesamt 9.860.469 Einheiten (ohne Sondermaterialien), der Bestand der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main (einschließlich Deutsches Musikarchiv Berlin und GEMA-Notenbestand) um 292.543 auf insgesamt 8.105.121 Einheiten. Der Bestand der Online-Hochschulschriften stieg auf 7.392 Einheiten.

Bestandserhaltung - Im Rahmen der Bestandserhaltung gedruckter Publikationen wurden 24.000 Kilogramm - dies entspricht rund 88.500 Büchern - »entsäuert«. Außerdem wurden 35.000 Blatt - das waren 157 Bände - gespalten und wieder aufgebunden. Allgemeine Bindearbeiten und Reparaturen wurden an 35.000 Bänden durchgeführt.

Historische Tonträger - Der Tonträgernachlass des verstorbenen Schweizer Sammlers Franz Hutter ergänzt seit kurzem, dank der finanziellen Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, in hervorragender Weise die Bestände des Deutschen Musikarchivs Berlin. Es handelt sich um die bedeutendste Schellackplattensammlung aus privater Hand in der Schweiz. Sie dokumentiert in einzigartiger Weise die Geschichte der Schallplatte im deutschsprachigen Raum und umfasst rund 76.000 Schellackplatten, LPs sowie Singles.

Archiv Alfredo Cahn - Eine wertvolle Bereicherung für das Deutsche Exilarchiv 1933 - 1945 war der Ankauf des Archivs Alfredo Cahn. Die Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung für Kunst und Kulturpflege, Frankfurt am Main, hat den Kauf großzügig unterstützt. Cahn (1902 - 1975), der in Buenos Aires lebte, war als übersetzer, Literaturagent und Literaturwissenschaftler einer der bedeutendsten Vermittler der deutschsprachigen Literatur in Lateinamerika, seit 1933 vor allem der Exilliteratur. Der Nachlass enthält u. a. Briefe, Postkarten und Telegramme von Stefan Zweig, Alfred Döblin und Albert Einstein sowie von zahlreichen anderen bekannten Persönlichkeiten.

Vorlass Axel Bertram - Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Bücherei Leipzig konnte seine Sammlung des 1936 in Dresden geborenen Typografs, Grafikers und Künstlers Axel Bertram durch den Ankauf einer Auswahl künstlerischer und grafischer Arbeiten umfassend ergänzen. Der Künstler hat neben zahlreichen künstlerischen Arbeiten u. a. Briefmarken und Münzen der ehemaligen DDR, Zeitschriften, Bücher und Schriften gestaltet und entwickelt.

Dienstleistungen

Zentrale Bibliographische Dienstleistungen - In der Deutschen Nationalbibliographie wurden 231.705 Veröffentlichungen angezeigt. Das Fünfjahresverzeichnis 1996 bis 2000 der Deutschen Nationalbibliographie wurde im Jahr 2001 bereits zum größten Teil ausgeliefert. Die Nachfrage nach den Zentralen bibliographischen Dienstleistungen ist weiterhin groß.

Dewey-Dezimal Klassifikation - Nachdem im Oktober 2000 das Konsortium Dewey-Dezimal Klassifikation Deutsch unter der Federführung Der Deutschen Bibliothek gegründet wurde, hat Anfang 2001 die DDC- Expertengruppe ihre Arbeit aufgenommen. Sie ist zuständig für die fachliche Begleitung bei der Einführung der DDC in der Deutschen Nationalbibliographie, bei der Erarbeitung der DDC Deutsch und bei der Anwendung der DDC in den Bibliotheksverbünden. Mittlerweile wurde mit OCLC Forest Press die Aufnahme von Änderungs- und Verbesserungsvorschlägen zu deutschen Sachverhalten in der nächsten englischsprachigen 22. Ausgabe der DDC vereinbart. Die Überlegungen für eine Neugestaltung des Wöchentlichen Verzeichnisses der Deutschen Nationalbibliographie mit nach DDC gegliederten Sachgruppen wurden präzisiert. In den internationalen Workshops »Dezimalklassifikationen - UDK und DDC« sowie »Internationalität in der Sacherschließung« präsentierten und diskutierten Fachleute vor einem internationalen Fachpublikum den gegenwärtigen Stand und die zukünftigen Möglichkeiten der Anwendung der internationalen Klassifikation. Im Rahmen des europäischen Projekts Renardus (Academic Subject Gateway Service Europe) vergibt Die Deutsche Bibliothek seit kurzem DDC-Notationen für Online-Dissertationen.

CIP / VLB - Mit der geplanten Kooperation zwischen Der Deutschen Bibliothek und der Buchhändler-Vereinigung GmbH soll die Qualität des Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) und die Aktualität der Daten Der Deutschen Bibliothek verbessert werden. Im Vordergrund steht zunächst die Entwicklung eines gemeinsamen Online-Meldeformulars für die Titelmeldungen der Verlage an das VLB und Die Deutsche Bibliothek.

Katalogkonversion 1913 - 1973 - Das Ziel der vollständigen Online-Verfügbarkeit der Titeldaten Der Deutschen Bibliothek rückt näher. In dem letzten großen Katalog-Konversionsprojekt Der Deutschen Bibliothek erfolgt die Online-Erfassung des alphabetischen Katalogs 1913 - 1973 in das PICA-/ILTIS-System. Seit Projektbeginn im Jahr 2000 wurden gute Fortschritte erzielt. Rund die Hälfte der 3,7 Mio. Einträge des Katalogs sind mittlerweile erfasst. Das Projekt hat eine Laufzeit bis Ende 2002.

Digitale Bibliothek

Sammlung von Netzpublikationen - Die Deutsche Bibliothek beteiligt sich an einem intensiven nationalen und internationalen Austausch zu allen Aspekten der Sammlung und Langzeitarchivierung von Netzpublikationen. Im letzten Jahr begann Die Deutsche Bibliothek mit der Sammlung, Verzeichnung und Langzeiterhaltung von Netzpublikationen. Sie hat in Zusammenarbeit mit der AG Elektronische Depotbibliothek die technischen und organisatorischen Vorbereitungen zur Sammlung und Langzeitarchivierung von Netzpublikationen abgeschlossen. Im September 2001 wurde zunächst mit der regelmäßigen Aufnahme und Archivierung von Verlags-Online-Publikationen von rund 30 ausgewählten Verlagen begonnen. Mittlerweile wurde dieser Kreis erweitert. Die Ablieferung erfolgt auf freiwilliger Basis. Mit diesem erweiterten Praxistest sammelt Die Deutsche Bibliothek zusätzliche Erfahrungen, die auch in die neue Pflichtstückverordnung und die Sammelrichtlinien einfließen sollen. Zur rechtlichen Absicherung des freiwilligen Ablieferungsverfahrens hat sie Ende Februar 2002 mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine Rahmenvereinbarung abgeschlossen. Die Modellvereinbarung gilt pauschal für den Umgang mit urheberrechtsgeschützten Verlagspublikationen und steht stellvertretend für Einzelverträge zwischen den Verlagen und Der Deutschen Bibliothek.

Die technischen Überlegungen Der Deutschen Bibliothek in Bezug auf Netzpublikationen basieren hauptsächlich auf den Ergebnissen des Ende letzten Jahres abgeschlossenen europäischen Projekts NEDLIB (Networked European Deposit Library).

Die Deutsche Bibliothek beteiligt sich an einem intensiven internationalen Austausch zu allen Aspekten der Sammlung und Langzeitarchivierung von Netzpublikationen.

Koordinierungsstelle DissOnline - Seit Juli 1998 sammelt Die Deutsche Bibliothek Online-Dissertationen sowie -Habilitationen und betreut das Metadatenformat und die Transferschnittstelle für Online-Hochschulschriften. Nach Abschluss des Projektes »Dissertationen Online« richtete sie im Frühjahr 2001 die Koordinierungsstelle DissOnline ein. Die Koordinierungsstelle hat u. a. die Aufgabe, die bestehenden nationalen und internationalen Standards weiterzuentwickeln, Hilfestellung bei deren Anwendung zu geben und möglichst viele an einem geordneten Verfahren teilnehmende Institutionen zu gewinnen. Anfang 2002 nutzten bereits 62 von 73 zum Ablieferungsverfahren von Online-Hochschulschriften angemeldete Hochschulbibliotheken regelmäßig dieses Verfahren.

Exilpresse digital - Das von der DFG geförderte Projekt »Verteilte digitale Forschungsbibliothek/Zeitschriften des Deutschen Exilarchivs 1933 - 1945« (kurz: Exilpresse digital) wurde erfreulicherweise um zwei weitere Jahre verlängert. Im Rahmen des Projekts digitalisiert das Deutsche Exilarchiv 1933 - 1945 Der Deutschen Bibliothek aus seinem Bestand ausgewählte Exilzeitungen und Exilzeitschriften, ergänzt durch die Bestände der Sammlung Exil-Literatur 1933 - 1945 der Deutschen Bücherei Leipzig und anderer Bibliotheken.

Im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der »Digitalen Bibliothek« arbeitet Die Deutsche Bibliothek u. a. zusätzlich an kooperativen Projekten zur eindeutigen Identifizierung des Uniform Resource Name (URN) sowie der Digital Object Identifier (DOI), zu den Themen »Legal deposit« (CENL/FEP) und »Copyright« (so genannte Frankfurt Group als TECUP-Nachfolge) mit.

Forschungsprojekte

Renardus - Im europäischen Projekt Renardus wird ein Recherche-System für Subject Gateways entwickelt. Dabei arbeiten europäische Nationalbibliotheken, Fachbibliotheken und Forschungsinstitutionen erfolgreich zusammen. Die Deutsche Bibliothek beteiligt sich insbesondere in den Bereichen Daten-Interoperabilität und multilinguale Zugänglichkeit. Mittlerweile wurde ein gemeinsamer Pilot-Service erarbeitet, der auf mehreren Workshops vorgestellt und evaluiert wurde.

Meta-Lib-Teilprojekt - Im Meta-Lib-Teilprojekt (Metadaten-Initiative deutscher Bibliotheken, Entwicklung und Durchsetzung von Konventionen zur bibliographischen Erschließung elektronischer Ressourcen unter Verwendung von Dublin Core Metadaten und Normdaten) werden auf der Basis des Dublin Core Metadata Element Set Standards für Metadaten zu unterschiedlichen Ressourcentypen entwickelt und eingeführt. Die im Projekt erarbeiteten Empfehlungen eines Metadaten-Kernsets für die verteilte Suche über die Virtuellen Fachbibliotheken wurden auf zwei Metadaten-Workshops vorgestellt und diskutiert. Anschließend wurde das endgültige Empfehlungspapier von der Arbeitsgruppe Projektkoordinierung Virtuelle Fachbibliotheken verabschiedet. Im Rahmen der Meldung von Online-Hochschulschriften erfolgte die Errichtung eines Workflows mit Personen-Metadaten, der vom Autor eines Dokuments über die Universitätsbibliothek bis zur Personennamendatei (PND) an Der Deutschen Bibliothek verläuft. Im Rahmen eines Projekts melden die Universitätsbibliotheken über ein Online-Anmeldeformular Personen-Metadaten auf der Grundlage des entwickelten Metadatensatzes. Die Personendaten werden zusätzlich als Personen-Webseiten im Internet angeboten und stehen damit für den Zugriff über Metadaten-Suchmaschinen zur Verfügung.

Crosskonkordanz STW / SWD - Die Suche nach elektronischen Publikationen sowie Aufsätzen, Zeitschriften und Monographien in den Wirtschaftswissenschaften soll entscheidend verbessert werden. Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts soll der Bereich »Wirtschaft« der Schlagwortnormdatei (SWD) mit dem Standard Thesaurus Wirtschaft (STW) mittels eines automatischen Dublettenchecks und intellektueller Nachbearbeitung verknüpft werden. Als Ergebnis sollen verteilte Datenbanken mit unterschiedlichen Erschließungsstandards über die Vermittlung nur einer Indexierungssprache durchsucht werden können. Das Projekt hat Anfang 2002 begonnen.

CARMEN - Content Analysis, Retrieval and MetaData: Effective Networking (CARMEN) ist eine Sonderfördermaßnahme innerhalb des Förderkonzepts Global-Info. Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt auf der Weiterentwicklung der Inhaltserschließung durch neue Verfahrenstechniken mit starken Verbindungen zum Retrieval. Im Arbeitspaket 4 »Persistent Identifiers and Metadata Management in Science« erprobt Die Deutsche Bibliothek die Vergabe, Verwaltung und Verwendung so genannter Persistent Identifier zur eindeutigen Identifizierung einer Online-Publikation im Internet. Seit September 2001 erhalten zunächst die von Der Deutschen Bibliothek archivierten Online-Dissertationen Persistent Identifier. Um ein einheitliches Identifizierungssystem in Deutschland aufzubauen, arbeitet Die Deutsche Bibliothek im Rahmen des Projektes mit den Bibliotheksverbünden und Universitätsbibliotheken zusammen. Im Arbeitspaket 12 »Crosskonkordanzen von Klassifikationen und Thesauri« wurden Crosskonkordanzen zwischen den Bereichen Sozialwissenschaften, Politik und Bildungswesen der SWD und dem Thesaurus Sozialwissenschaften sowie ausgewähltem Schlagwortmaterial des Fachinformationssystems Bildung erstellt. Diese Crosskonkordanzen wurden in die Virtuelle Fachbibliothek Sozialwissenschaften integriert, die Anfang 2002 online angeboten werden soll. Mithilfe der Crosskonkordanzen ist eine integrierte Suche nach sachlichen Gesichtspunkten in verteilten, mit unterschiedlichen Systemen erschlossenen Datenbeständen möglich.

MACS - Das Projekt MACS (Multilingual Access to Subject Headings) wurde 1999 als Projekt der Conference of European National Librarians (CENL) begonnen. Ziel ist, eine unmittelbare Verbindung zwischen den Schlagwörtern der drei umfassenden Schlagwortnormdateien Rameau, Library of Congress Subject Headings (LCSH) und der SWD herzustellen und damit eine die Sprachgrenzen überschreitende sachliche Suche zu ermöglichen. Im Jahr 2001 wurde ein im Internet zugänglicher Prototyp mit den Funktionen eines Link-Management-Systems sowie eines mehrsprachigen Retrievalsystems vorgestellt. Zunächst können die englisch-, französisch- und deutschsprachigen Deskriptoren der Themenbereiche Theater und Sport recherchiert werden. Weitere Sachgebiete sollen kontinuierlich ergänzt werden. Das internationale Interesse an dem Projekt ist groß, da MACS ein geeignetes Modell auch für andere Sprachräume ist.

Internationale Zusammenarbeit

TEL - Der Startschuss für »The European Library« (TEL) (www.europeanlibrary.org) fiel am 1. Februar 2001. Das ambitionierte Projekt wird als Maßnahme im Rahmen des Information Societies Technology Programmes (IST, Key Action 3) von der Europäischen Union gefördert. Auf der Grundlage der dezentral gehaltenen Nachweise der sowohl digitalen als auch konventionellen Bestände der beteiligten Nationalbibliotheken sollen die technischen, rechtlichen und organisatorischen Möglichkeiten für einen pan-europäischen Informationsservice geschaffen werden. Eine Zwischenbilanz wurde unter reger internationaler Beteiligung Ende April bei der »TEL Milestone Conference« in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main gezogen.

Gabriel - Auch Gabriel, seit 1997 der WWW-Service der europäischen Nationalbibliotheken (www.ddb.de/gabriel/de), spielt in dem Projekt »The European Library« eine Rolle. Der in diesem Sommer neu gestaltetet Service bietet den Zugang zu einheitlich strukturierten Informationen über die europäischen Nationalbibliotheken, ihre Sammlungen und den Zugriff auf ihre Dienstleistungen. Neben der Funktion als Online-Führer gilt Gabriel als Modell für weitere international vernetzte Dienstleistungen.

CENL - Ihr 15-jähriges Jubiläum beging die Conference of European National Librarians (CENL) im Jahr 2001. Sie ist die unabhängige Vereinigung der Direktoren der europäischen Nationalbibliotheken, in der zurzeit 41 Bibliotheken aus den Mitgliedsländern des Europarates vertreten sind. Das Ziel, die Förderung der Zusammenarbeit der europäischen Nationalbibliotheken, wurde bisher durch zahlreiche Projekte und Initiativen erfolgreich verwirklicht. Aktuelle Aktivitäten sind beispielsweise die Projekte MACS und TEL.

IFLA - Die Deutsche Bibliothek ist Mitglied der International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA) (www.ifla.org) und in zahlreichen Sektionen und Working Groups vertreten. Im August 2003 findet in Berlin erstmals die einwöchige IFLA Annual Conference statt. Die IFLA-Konferenz mit rund drei- bis viertausend Teilnehmern aus aller Welt ist eine willkommene Herausforderung und ein bedeutender Höhepunkt für das deutsche Bibliothekswesen. Die Deutsche Bibliothek ist in die Vorbereitungen und die Organisation mit zahlreichen Aktivitäten eingebunden. Im Vorfeld der IFLA 2003 organisiert sie außerdem gemeinsam mit der Sektion Katalogisierung die »IFLA international conference of cataloguing rules ›Towards an international common code‹«.

Kulturelles Programm

Im Berichtsjahr wurde in Leipzig, Frankfurt und Berlin wieder ein interessantes Veranstaltungs- und Ausstellungsprogramm angeboten.

Höhepunkte des Ausstellungsjahres waren in der Deutschen Bücherei Leipzig die Ausstellung »Kulturen im Kontext« anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke und die Fortführung des Ausstellungszyklus »Gutenberg 2000« mit zwei weiteren Ausstellungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums.

Die Deutsche Bibliothek Frankfurt am Main widmete dem griechischen Literaturnobelpreisträger Georgios Seferis zum Buchmessen-Gastland Griechenland eine vielbeachtete Ausstellung.

Herausragende kulturelle Veranstaltungen waren in Frankfurt die Lesung Martin Walsers aus seinem Roman »Der Lebenslauf der Liebe« sowie in Leipzig die »Hightech-Ketzereien« des amerikanischen Computerexperten und Autors Clifford Stolls.

Außerdem führte Die Deutsche Bibliothek zahlreiche Fachveranstaltungen an den drei Standorten durch. Daneben beteiligte sie sich gemeinsam mit anderen Partnern an der Ausrichtung der internationalen Konferenzen »Wissenschaftspublikation im digitalen Zeitalter« in Berlin, »The 1st European Library Seminar« in Ljubljana und der »European Conference on Research and Advanced Technologies for Digital Libraries (ECDL)« in Darmstadt.

Die Gesellschaft für das Buch, Förderverein Der Deutschen Bibliothek, unterstützte die Bibliothek wie jedes Jahr u. a. beim Ankauf wertvoller Exponate und der Durchführung von Veranstaltungen.

Ausblick

Allianzen und Partnerschaften spielen für Die Deutsche Bibliothek traditionell eine herausragende Rolle. Bester Beleg dafür sind ihre engen Beziehungen zum deutschen Buchhandel wie zum deutschen und internationalen Bibliothekswesen. Die wechselvolle Geschichte Der Deutschen Bibliothek begann am 25. September 1912, dem offiziellen Gründungsdatum der Deutschen Bücherei Leipzig. Verleger und Buchhändler waren dabei die treibende Kraft. Gemeinsam mit der Stadt Leipzig und dem Königreich Sachsen hoben sie die Bücherei aus der Taufe. Es ist gelungen, ein schon 90 Jahre andauerndes Literaturkontinuum für Deutschland zu schaffen und zu sichern. Dabei waren die Verleger und Buchhändler verlässliche Partner. Mit der Rahmenvereinbarung über die freiwillige Abgabe von Netzpublikationen als Zwischenlösung bis zu einer Gesetzesnovellierung, ist das Ziel der Kontinuität auch bei dieser Publikationsform näher gerückt. Die Vereinbarung wird von anderen Nationalbibliotheken als beispielhaftes Modell angesehen. Die Chancen zu ergreifen, die der Wandel der letzten Jahre für einen qualitativen Sprung unserer Dienstleistungen nicht nur für Buchhandel und Bibliotheken, sondern auch für jeden einzelnen Informations- und Literatursuchenden haben kann und muss, ist das vorrangige Ziel unserer Arbeit.

Letzte Änderung: 21.02.2012

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