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Jahresbericht 2010

Von Generaldirektorin Dr. Elisabeth Niggemann

Drei Fragen
Die Gesellschaft für das Buch e. V.
Herausragende Neuerwerbungen

Vorbemerkung

2010 Mit dem Umzug des Deutschen Musikarchivs in den Erweiterungsbau in Leipzig verlässt die Deutsche Nationalbibliothek nach 40 Jahren den Standort Berlin. Für die Musikstadt Leipzig ist der Zuwachs eine Bereicherung. Lesesaal und Tonstudio bieten auch im räumlich engen Zusammenspiel mit den übrigen Angeboten der Deutschen Nationalbibliothek für die Benutzerinnen und Benutzer eine neue Qualität der Arbeit im Deutschen Musikarchiv.
Lokale Benutzung, Ausstellungen und Veranstaltungen sind das eine Ende des Spektrums der Arbeit der Deutschen Nationalbibliothek. Internetbasierte Dienste für globale Nutzung das andere. Dazu kommt die Mitarbeit in internationalen Gremien und Projekten, wie dem Comité des Sages und der Europeana, das Engagement in Urheberrechtsfragen und die Standardisierung im Bibliothekswesen. Immer aber steht der Auftrag zur Sammlung und Erschließung, zur Bereitstellung in den Lesesälen und der dauerhaften Bewahrung der schriftlichen und der musikalischen Veröffentlichungen im Mittelpunkt der Arbeit der Deutschen Nationalbibliothek.

Engagiert und vernetzt

Internationale Aktivitäten Projekte wie die Europeana und The European Library, die Weiterentwicklung von Normdatenstandards und die europäische Diskussion über das Urheberrecht machen deutlich, dass Bibliotheken in europäischen und internationalen Zusammenhängen denken müssen. Die Deutsche Nationalbibliothek engagiert sich unter anderem in der Conference of European National Librarians (CENL), dem Verband der Direktoren der europäischen Nationalbibliotheken, in der zurzeit 49 Bibliotheken aus 46 Mitgliedsländern des Europarates vertreten sind. Mit dem CENL-Vorsitz und der Betreuung des CENL-Sekretariats übernimmt die Deutsche Nationalbibliothek eine führende Rolle bei der Koordination der CENL-Aktivitäten. Im Oktober veröffentlichte CENL ein Diskussionspapier zu privat-öffentlichen Partnerschaften für Massendigitalisierungsprojekte (Mass digitisation of content with commercial partners).
Mit dem Engagement in der internationalen Bibliotheksorganisation IFLA und der Mitarbeit in CDNL, der Conference of Directors of National Libraries, sowie im Board of Trustees von OCLC wird auch die außereuropäische Vernetzung der Deutschen Nationalbibliothek gepflegt.
Besonders hervorzuheben ist die Berufung der Generaldirektorin in das Comité des Sages, das im Auftrag der Europäischen Kommission bis Ende 2010 Empfehlungen dafür erarbeitet hat, wie sich Digitalisierung, virtuelle Verfügbarkeit und Erhaltung kultureller Werke in ganz Europa schneller bewerkstelligen lassen. In dem Bericht werden die EU-Mitgliedsstaaten aufgerufen, sich intensiver darum zu bemühen, die in Bibliotheken, Archiven und Museen vorhandenen Sammlungen ins Netz zu stellen, und es werden die Vorteile einer leichteren Zugänglichkeit der Kulturgüter und des Wissens Europas herausgestellt.

Europeana 2010 hat die Europeana den Routinebetrieb aufgenommen. Mit mehr als 15 Millionen abrufbaren digitalen Objekten aus mehr als 1.500 Kultureinrichtungen aus allen europäischen Ländern, hat sie ihr Jahresziel weit übertroffen. Die Europeana ermöglicht es, die digitalisierten Sammlungen europäischer Bibliotheken, Archive und Museen gleichzeitig zu durchsuchen. Trägerin der Europeana ist die im November 2007 gegründete Europeana Foundation, deren Vorsitzende die Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek ist.

Reading Europe Um die Vielfalt des literarischen Erbes Europas zu zeigen, haben die europäischen Nationalbibliotheken bedeutende Werke ihres Landes digitalisiert und in die Europeana eingebracht. The European Library als Aggregator der europäischen Nationalbibliotheken präsentiert seit September diese Werke in der virtuellen Ausstellung »Reading Europe: European Culture through the book«. »Reading Europe« bietet rund 1.000 Werke in 32 Sprachen, jeweils etwa 100 Werke pro teilnehmendem Land. Die Deutsche Nationalbibliothek hat 104 bekannte literarische Werke deutscher Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Jahrhunderten mit insgesamt 22.000 Seiten beigetragen. Unter strikter Wahrung der Urheberrechte - nicht nur der Autoren, sondern auch der Beiträger, wie Illustratoren oder Verfasser von Vorworten - wurden Druckausgaben aus dem Bestand der Bibliothek digitalisiert. Sie sind über das Portal der Deutschen Nationalbibliothek, die Europeana und im Ausstellungszusammenhang über The European Library zugänglich.

Deutsche Digitale Bibliothek Am 30. November konstituierte sich das Kuratorium der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB). Aus der bis dahin von der Deutschen Nationalbibliohek koordinierten Bund-Länder-Fachgruppe wurde das Kompetenznetzwerk DDB mit den Organen Mitgliederversammlung, Vorstand und Kuratorium. Die Deutsche Nationalbibliothek arbeitet weiterhin im Kompetenzwerk DDB mit. Dem Gemeinschaftsprojekt von Bund, Ländern und Kommunen stehen für den Aufbau 8 Mio. Euro zur Verfügung. Das technische Gesamtprojektmanagement hat Fraunhofer IAIS übernommen und noch unter fachlicher Führung der Bund-Länder-Fachgruppe eine Anforderungsanalyse erstellt, das Grobkonzept entworfen und erste Daten von rund 30 Einrichtungen in eine Testumgebung übernommen.

Urheberrecht Für Projekte wie die Europeana und die Deutsche Digitale Bibliothek ist eine rechtskonforme Nutzbarkeit von Veröffentlichungen im Rahmen digitaler Bibliotheken erfolgskritisch, da hier kulturelles Erbe aus den unterschiedlichsten Bereichen dauerhaft digitalisiert über die Grenzen der einzelnen zuliefernden Organisationen hinaus angeboten wird.
Die Deutsche Nationalbibliothek hat sich mit Stellungnahmen und der Teilnahme an Anhörungen an der nationalen Diskussion um den Dritten Korb des Urheberrechts beteiligt. Auf internationaler Ebene hat sich die Deutsche Nationalbibliothek an der Erörterung urheberrechtlicher Fragen im Zusammenhang mit Digitalisierung und Langzeitarchivierung, Webharvesting sowie vor allem zu den verwaisten und vergriffenen Werken beteiligt. Die gemeinsame Initiative der VG Wort, des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Bibliotheksverbände hat zum Ziel, gerade diese Werke zugänglich zu machen und mögliche Rechteinhaber angemessen zu vergüten. Dieses richtungsweisende Modell gilt es nunmehr gesetzlich abzusichern. Dafür tritt die Deutsche Nationalbibliothek in besonderem Maße ein. Zudem führte sie Gespräche beispielsweise mit den Zeitungsverlegern im Bereich der E-Paper.

Netzpublikationen

Netzpublikationen Mit der Implementierung einer OAI-Schnittstelle als Ablieferungsweg für Netzpublikationen wurde neben den Formularen eine weitere Möglichkeit geschaffen, der Ablieferungspflicht von Netzpublikationen und Metadaten nachzukommen. Zusätzlich wurde ein so genannter Hotfolder als weitere Schnittstelle in Betrieb genommen. Neben dem bereits seit 2009 eingesetzten Format ONIX for Books 2.1 wurden weitere Formate eingebunden, so dass Daten direkt in den Katalog der Deutschen Nationalbibliothek übernommen werden können, die in MARC 21 / MARC-XML oder XMeta-DissPlus gemeldet werden. Der Zugang an monografischen Netzpublikationen wuchs allein im Jahr 2010 um rund 120.000 Titel.
Die ONIX-Gruppe Deutschland - eine Kooperation der zentralen deutschen Kataloganbieter, zu denen das VLB Verzeichnis Lieferbarer Bücher, die Barsortimente KNV, LIBRI sowie Umbreit, der Informationsdienstleister NewBooks und die Deutsche Nationalbibliothek gehören - hat eine ausführliche Dokumentation zur Meldung von E-Books im Datenformat ONIX erstellt. Als Leitfaden unterstützt »Best Practices ONIX for Books - E-Book Standardmeldung« alle Anwender dabei, E-Book-Meldungen über ONIX 2.1 standardisiert zu erzeugen und zu verarbeiten.
Bei Zeitschriften wird ein ZDB-regelkonformes Katalogisat für den Titel erstellt. Zugeordnete Hefte oder Artikel werden wiederum mit den gelieferten Metadaten im Katalog nachgewiesen. Mit Veranstaltungen während der Frankfurter Buchmesse und in regionalen Einzelveranstaltungen hat die Deutsche Nationalbibliothek Verlage und Dienstleister über Anforderungen und technische Möglichkeiten der Ablieferung und der Bereitstellung von Netzpublikationen informiert.

E-Paper Im Rahmen des im Dezember 2009 begonnenen E-Paper-Projekts wurde ein automatischer Workflow zur Sammlung, Erschließung, Bereitstellung und Archivierung layoutgetreuer elektronischer Ausgaben gedruckter Tageszeitungen entwickelt und in den Routinebetrieb überführt. Seit Jahresende werden die Ausgaben von rund 300 E-Paper-Titeln eingesammelt, im Portalkatalog der Deutschen Nationalbibliothek verzeichnet und in den Lesesälen in Leipzig und Frankfurt am Main zur Verfügung gestellt. Die bisherige Praxis der Verfilmung von Tageszeitungen entfällt, wenn ein der Druckausgabe entsprechendes E-Paper gesammelt werden kann.

Hochschul-Netzpublikationen 2010 wurde die Umstellung der Ablieferverfahren für Online-Hochschulschriften vorbereitet. Die neuen Geschäftsgänge ermöglichen den direkten Import von Metadaten in den Katalog der Deutschen Nationalbibliothek und die unmittelbare Archivierung der Dokumente. Mittlerweile nehmen 91 Hochschulbibliotheken am Ablieferungsverfahren teil. Der Bestand ist um 13.000 auf rund 98.000 Dissertationen gestiegen. Außerdem wird durch die Erweiterung des Metadatenformats XMetaDiss zu XMetaDissPlus in Zusammenarbeit mit dem Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) die Beschränkung des Formats auf Dissertationen und Habilitationen aufgehoben. So können in Zukunft alle Online-Publikationen von Hochschulen über dieses Format verarbeitet werden.

Web-Harvesting Seit Oktober wird in einem abteilungsübergreifenden Projekt ein Geschäftsgang entwickelt, der von der Auswahl über die Sammlung, Erschließung und Archivierung bis zur Bereitstellung alle Schritte zum Umgang mit Webseiten umfasst. In einer ersten Phase werden auf Basis von praktisch erprobten Workflows ausgewählter Nationalbibliotheken Verfahren und Tools für alle Teilschritte des Geschäftsgangs ausgewählt. Die meistgenutzten Tools werden anschließend in Testinstallationen evaluiert.

Erschliessung

Erschließung Um schneller und umfassender Erschließungsdaten bereitstellen und ein größeres Reservoir an Sucheinstiegen für Endnutzer anbieten zu können, konzentriert sich die Weiterentwicklung der Erschließung auf automatische Verfahren, auf die Optimierung bestehender Verfahren und die Normdateipflege. So werden seit Jahresbeginn die Metadaten für Online-Publikationen direkt von den Ablieferern in die Nationalbibliografie übernommen und mit maschinell erzeugten Erschließungsdaten angereichert, Schulbücher nur mehr mit einer Sachgruppe erschlossen und die RSWK seit dem 2. Quartal 2010 in ihrer reformierten Form angewendet. Es werden seither Schlagwortfolgen und keine Schlagwortketten mehr gebildet. Ergänzend wurden rund 120.000 Titel in den Reihen A, B und H der Deutschen Nationalbibliografie mit DDC-Notationen erschlossen.
Die Abteilung Inhaltserschließung hat mit ihren bibliothekarischen Partnern seit Jahresbeginn an einem Konzept für veränderte Inhaltserschließung in den STM-Fächern (Science, Technology, Medicine) gearbeitet. Während die inhaltliche Erschließung medizinischer Dissertationen ab Januar 2011 eingestellt werden kann, wird die verbale Erschließung für STM-Publikationen fortgesetzt und der SWD-Pflege in diesem Bereich erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet. Um bessere Recherchemöglichkeiten anbieten zu können wurde darüber hinaus mit den Nationalbibliotheken Österreichs und der Schweiz eine stärkere Differenzierung in einzelnen Sachgruppen der Deutschen Nationalbibliografie vereinbart, die ab dem Bibliografiejahrgang 2011 angewendet wird.
Seit 1. Oktober ist die Deutsche Nationalbibliothek verantwortlich für die laufende Pflege der DDC Deutsch. Im abgelaufenen Jahr wurden ca. 2.200 Klassen geändert oder neu aufgenommen. Seit Anfang 2010 stehen die MelvilSearch-Daten unter einer Creative Commons Lizenz. Sie dürfen jetzt für nichtkommerzielle Zwecke frei genutzt und weitergegeben werden unter der Voraussetzung, dass OCLC als Rechteinhaber genannt und die Daten nicht inhaltlich bearbeitet oder verändert werden.

Petrus Das Projekt PETRUS (Prozessunterstützende Software für die digitale Deutsche Nationalbibliothek) wurde 2009 mit den Ziel gestartet, mit maschinellen Methoden so nah wie möglich an die Ergebnisse der konventionellen Erschließungsverfahren zu kommen, um die wachsenden Erschließungsaufgaben der Nationalbibliothek zu bewältigen. Entwickelt werden neue Arbeitsabläufe und Qualitätskriterien für die Formal- und Inhaltserschließung. Es werden maschinengestützte Geschäftsprozesse implementiert, die die Erschließungsdaten weitgehend automatisch erzeugen.
Wesentlicher Arbeitsschwerpunkt im Jahr 2010 war die Evaluierung softwaregestützter Methoden und Verfahren: für die Erkennung und Übernahme bereits vorhandener Erschließungsdaten, für die automatische Verknüpfung von Titeldaten und Normdateien, für die Einordnung der Publikationen in die Systematik der Sachgruppen und für die automatische Vergabe von Schlagwörtern auf der Grundlage der Schlagwortnormdatei. Für das Jahr 2011 ist die Beschaffung und Anpassung noch fehlender Technologien und die Realisierung der ersten automatisierten Erschließungsprozesse vorgesehen.

Phononet-Fremddaten für das Deutsche Musikarchiv Im Rahmen des Projekts »Übernahme von Phononet-Fremddaten« sollen Daten des größten Anbieters von Fremddaten im Musikbereich als Erwerbungsbasis in das Katalogsystem der Deutschen Nationalbibliothek übernommen werden. Als erster Schritt wurde ein mögliches Datenmodell entwickelt, um neben den Titeldaten der CDs auch Daten auf der Trackebene übernehmen zu können. 2011 sollen die ersten Daten produktiv genutzt werden.

Standardisierung

RDA Die Deutsche Nationalbibliothek hat das neue Regelwerk RDA und das browserbasierte RDA-Toolkit Funktionalitäts- und Katalogisierungstests unterzogen. Sie arbeitet auch in der Europäischen RDA-Interessengruppe (EURIG) mit. Wichtige Teile des künftigen Regelwerks sowie einige der wesentlichen Grundlagen der RDA wurden ins Deutsche übersetzt. Die Arbeitsstelle für Standardisierung hat ein Konzept für modulare RDA-Schulungen erstellt. Bei den ersten Modulen, die auf der Website der Deutschen Nationalbibliothek und in der virtuellen Lernumgebung Moodle veröffentlicht wurden, handelt es sich um eine ganztägige FRBR-Schulung mit theoretischen, praktischen und webbasierten Anteilen.

Normdateien Zielsetzung des Projekts Gemeinsame Normdatei (GND) ist die Zusammenführung der zurzeit getrennt gehaltenen überregionalen Normdateien Gemeinsame Körperschaftsdatei (GKD), Personennamendatei (PND), Schlagwortnormdatei (SWD) und der Einheitssachtitel-Datei des Deutschen Musikarchivs (EST). Wie die jetzigen Normdateien wird auch die GND von den Normdatenteilnehmern kooperativ geführt und an der Deutschen Nationalbibliothek gehalten werden. Am GND-Projekt sind neben der Deutschen Nationalbibliothek alle Bibliotheksverbünde im deutschsprachigen Raum sowie die Zeitschriftendatenbank (ZDB) beteiligt. Die Projektdurchführung, bezogen auf die Konzeptionierung und Herstellung der überregionalen Normdatei sowie die Koordination mit den Bibliotheksverbünden, liegt bei der Deutschen Nationalbibliothek. Mit den Projektpartnern konnten systemspezifische Abstimmungen vorgenommen, der Formatentwurf aktualisiert, Übergangsregeln formuliert und ein gemeinsamer Zeitplan für die weitere Durchführung des Projekts vereinbart werden.
Als letzte der Normdateien wurde die GKD auf die Online-Kommunikation umgestellt. Damit verbunden waren die Einführung einer neuen Update-Schnittstelle (ONS), Änderungen im Datenformat und eine Anpassung des Redaktionsverfahrens. Mitte Juli erfolgte die letzte Offline-Einspielung in die GKD.

Digitale Dienste

Kataloganreicherung Im Rahmen des wöchentlich ausgelieferten Kataloganreicherungsdienstes wurden insgesamt 59.000 Inhaltsverzeichnisse von Neuerscheinungen der Bibliografiereihe A und retrospektiv weitere 66.000 Inhaltsverzeichnisse hauptsächlich von Monografien aus den Zugangsjahren 1913 bis 1918 digitalisiert. Erstmals konnten die Kataloganreicherungen der kompletten Bibliografiejahrgänge 2008 und 2009 als separate Datenpakete mit den Metadaten und den dazugehörenden Inhaltsverzeichnissen angeboten werden. Außerdem konnte die Deutsche Nationalbibliothek rund 88.000 Inhaltsverzeichnisse zur Ergänzung ihres eigenen Datenbestandes von Bibliotheksverbünden übernehmen, so dass sie bis zum Jahresende rund 400.000 Inhaltsverzeichnisse über ihren Katalog anbieten kann. Durch die Kooperation mit der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH konnte der Bestand an inhaltsbeschreibenden Verlagsinformationen um 60.000 auf insgesamt 320.000 Inhaltstexte gesteigert werden.

Bibliografische Daten Die Deutsche Nationalbibliothek verfolgt seit Anfang 2010 das Ziel, ihre bibliografischen Daten schrittweise kostenfrei zum Herunterladen, Nachnutzen und Weiterbearbeiten zur Verfügung zu stellen. Mit dem kostenlosen Angebot von Norm- und Kataloganreicherungsdaten wurde zum 1. März der erste Schritt gemacht. Die Nutzungsbedingungen für die kostenlose Nachnutzung der Daten lehnen sich an die Creative Commons und vergleichbare Lizenzregelungen an.

Deutsche Nationalbibliografie Mit Beginn des Bibliografiejahrgangs 2010 erscheint die Deutsche Nationalbibliografie in Anlehnung an die bisherigen gedruckten und CD-ROM-Ausgaben als kostenfreie Online-Zeitschrift im PDF-Format. Sie ist über die allgemein zugängliche Datenbank, mit der die Deutsche Nationalbibliothek die Erstverzeichnung und damit ihren gesetzlichen Auftrag erfüllt, abrufbar. Zusätzlich können die PDF-Dateien auf Wunsch auch kostenpflichtig auf dem WWW- bzw. FTP-Server der Deutschen Nationalbibliothek zum Abholen bereitgestellt oder als Ausdruck per Post zugestellt werden. Die Gliederung in die Reihen A, B, C, H, M und T und den Neuerscheinungsdienst bleibt dabei unverändert, ebenso wird der Erscheinungsrhythmus beibehalten.
Die neu eingeführte Reihe O enthält zurzeit alle Online-Publikationen einschließlich Zeitschriftentitel und Print-on-Demand-Publikationen, deren Grundlage eine digitale Vorlage ist. Die über die Reihe O gelieferten Titelaufnahmen werden bei den Monografien in der Regel von den Ablieferern erstellt. Titel der Reihe O sind nach DDC-Sachgruppen erschlossen und enthalten Rechtedaten. Auch hier werden automatisch erzeugte Erschließungsdaten schrittweise ergänzt. Die Reihe wird monatlich in den Formaten MAB und MARC 21 kostenlos zur Abholung auf dem Server bereitgestellt. Eine druckfähige Ausgabe ist nicht geplant.

URN-Service Ein Uniform Resource Name (URN) bietet eine eindeutige und beständige Identifikation von Objekten, unabhängig vom Ort der Speicherung. Dies ist ein wichtiger Faktor zur Erhaltung der Langzeitverfügbarkeit. Ändert sich der Speicherort der Publikation, etwa durch eine Serverumstellung, kann die Zugriffsadresse (URL), die einem URN hinterlegt ist, korrigiert werden. Dadurch behält der URN seine Gültigkeit und verweist nach wie vor auf die entsprechende Publikation. Das Zitieren eines URN ist somit ein sicherer Weg, auch langfristig auf ein digitales Objekt zu verweisen. Der seit 2001 aufgebaute URN-Service der Deutschen Nationalbibliothek wird kontinuierlich verbessert. Die Deutsche Nationalbibliothek vergibt und verwaltet URNs aus dem Namensraum »urn:nbn:de« und bietet einen URN-Resolving-Dienst für Deutschland, Österreich und die Schweiz an. Aktuell sind bei der Deutschen Nationalbibliothek rund 3,7 Mio. URNs registriert, der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr beträgt rund 2,2 Mio. URN.

Portalentwicklung Seit Mitte des Jahres können über das Katalog- und Serviceportal der Deutschen Nationalbibliothek die Normdatensätze im Linked Open Data Format heruntergeladen werden. Ebenfalls seit Jahresmitte können sich interessierte Nutzer die Hefte der Nationalbibliografie nach Sachgruppen und Zeiträumen individuell zusammenstellen. So können mehrere Hefte der Nationalbibliografie gleichzeitig nach verschiedenen Themen und verschiedenen Zeiträumen über eine Kalenderfunktion abgefragt und neu kombiniert werden. Die elektronische Ausleihverbuchung wurde in die Katalogoberfläche eingebunden.

Benutzung und Bestandserhaltung

Benutzung Die Lesesäle der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig, Frankfurt am Main und Berlin waren 2010 an 294 Tagen geöffnet. Mehr als 650.000 Medieneinheiten wurden in dieser Zeit für die Benutzung bereitgestellt und über 11.700 schriftliche Anfragen beantwortet. Die Kooperation bei der Beantwortung der über den digitalen Auskunftsdienst »InfoPoint« gestellten Anfragen zwischen der Stadtbücherei Frankfurt am Main, der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, HeBIS-Verbundzentrale und der Deutschen Nationalbibliothek wurde fortgesetzt.
Im Januar hat der Frankfurter Standort der Deutschen Nationalbibliothek eine inhaltliche Erweiterung bekommen: Die Bibliothek des Deutschen Filminstitutes DIF e. V., die bis dahin im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt untergebracht war, hat durch den Umbau des Museums ihr Domizil verloren. Mit dem zunächst zeitlich befristeten Umzug der Mitarbeiterinnen und der Medien in die Deutsche Nationalbibliothek konnte eine Idee realisiert werden, die die Bestände der Filmbibliothek für Nutzerinnen und Nutzer zugänglich hält und das Angebot der Deutschen Nationalbibliothek sinnvoll ergänzt.
Mit dem elektronischen Ausleihverbuchungssystem wurden neue Funktionen für die Benutzer, wie eine vollständige Übersicht über die Ausleihvorgänge, Vormerkungen und Fristverlängerungen realisiert.
Trotz der Bauarbeiten am Erweiterungsbau in Leipzig konnte die Benutzung aufrecht erhalten und vorübergehende Einschränkungen durch die Verlagerung von Funktionen in andere Bereiche aufgefangen werden. Gleichzeitig wurde der Lesesaal Technik modernisiert und die Benutzerbetreuung an der zentralen Info-Theke konzentriert.

Bestandserhaltung Im Frühjahr wurde im Ressort Archivierung / Bestandserhaltung die Arbeit an einem Bestandserhaltungskonzept fortgesetzt und thematisch vertieft. Neben Gefährdungsanalysen in Leipzig und Frankfurt am Main sind die Festlegung von Standards, der Einsatz von Verfahren zur Sicherung der Substanz (Bestandsschutz) wie auch Aspekte der digitalen Langzeitarchivierung thematische Schwerpunkte. Ziel des Konzepts ist ein Handlungsvorschlag für den Ausbau der Bestandserhaltung als einer zentralen Aufgabe der Nationalbibliothek. Mit konkreten Ergebnissen ist im Frühjahr 2011 zu rechnen.
Über den »Rahmenvertrag des Bundes über Konservierungsleistungen zur Bestandserhaltung von Büchern und Archivalien« konnten im Jahr 2010 mehr als 39 Tonnen Bibliotheksgut durch Massenentsäuerung erhalten werden.
Der von der Allianz »Schriftliches Kulturgut erhalten« jährlich ausgerichtete Nationale Aktionstag für Bestandserhaltung wurde im Jahr 2010 unter der Überschrift »Massenhaft Kulturgut. In der Masse liegt die Klasse« in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig vorbereitet und durchgeführt. Ein abwechslungsreiches Programm - bestehend aus Vorträgen, Präsentationen, Werkstattbesuchen und Führungen, einer Podiumsdiskussion zum Thema »Originalerhalt im digitalen Zeitalter« sowie einem Angebot des Deutschen Buch- und Schriftmuseums für Kinder - bezog viele Partnerinstitutionen ein. Allen gemeinsam ist es ein Anliegen, die Notwendigkeit der Bestandserhaltung in Bibliotheken und Archiven im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.

DMA-Datenträgermigration Die knapp 500.000 CD-Tonträger des Deutschen Musikarchivs in Berlin, deren früheste Exemplare aus dem Jahr 1983 stammen, stellen die einzige zentrale Sammlung aller in Deutschland veröffentlichten CD-Tonträger dar. Physische Schäden und materialimmanente chemische Prozesse machen es notwendig, sie in ein sicheres Massenspeicherumfeld zu migrieren. Messungen in den Jahren 1994 und 2007 ergaben eine deutliche Zunahme an Lesefehlern, die von Informationsverlusten bis hin zur Unabspielbarkeit reichen.
Die Migration der CDs wird mit Systemen, die eine exakte Fehlerdetektion und deren Protokollierung ermöglichen und damit ein dokumentiertes Qualitätsmanagement erlauben, von der IT der Deutschen Nationalbibliothek durchgeführt. Alle auf der CD befindlichen Informationen (Audio, Subcode, Multimedia) werden gespeichert. Im Frühjahr fand hierzu ein Testlauf mit insgesamt 12.500 CDs statt. Parallel dazu wurde die Erstellung eines digitalen Abbilds der CD durch Digitalisierung der gesamten Begleitmaterialien erprobt. Im Sommer 2010 wurden Anpassungen am Migrationssystem vorgenommen und weitere knapp 6.000 CDs migriert.

Erweiterungsbau

Erweiterungsbau In den drei Untergeschossen und vier Obergeschossen des Leipziger Erweiterungsbaus konnten Mitte 2010 Magazinräume für die Bestände der Deutschen Nationalbibliothek in Betrieb genommen werden. Insgesamt wurden bereits 80 laufende Kilometer Bestand in die neuen Magazine eingeräumt, um durch optimierte Aufstellung auch im Bücherturm und im Hauptgebäude Platz zu gewinnen. Ein neuer Veranstaltungsraum wurde für öffentliche Lesungen, Vorträge und Konferenzen, innerhalb des Hauptgebäudes, an der Schnittstelle zum Erweiterungsbau eingerichtet. Eine Ausstellungsfläche für historische Abspielgeräte und andere Exponate des Deutschen Musikarchivs befindet sich in der Nähe.

Deutsches Musikarchiv Das Deutsche Musikarchiv ist im Herbst von Berlin nach Leipzig umgezogen und nahm seine Arbeit in neu gestalteten Räumen des Bestandsgebäudes, die zuvor vom Deutschen Buch- und Schriftmuseum genutzt wurden, auf. Seine Bestände, die 11,5 Kilometer Regalfläche füllen, wurden in die Magazinflächen des Neubaus überführt. Der im westlichen Innenhof des Hauptgebäudes neu geschaffene Lesesaal wurde bis auf den Einbau der Tontechnik und der Möblierung fertiggestellt.

Deutsches Buch- und Schriftmuseum Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum konnte seine Büroräume im Erweiterungsbau im Juni beziehen und seine Bestände in die neuen Magazine einlagern. Der neue Lesesaal wurde fertiggestellt und in den künftigen Ausstellungsbereichen des Museums wurde die technische Infrastruktur aufgebaut.
Die Vorbereitungen für die Einweihung eines Museumskabinetts, das der Arbeit vor allem mit Kindern und Jugendlichen gewidmet sein wird, sind weitgehend abgeschlossen. Fertiggestellt ist der helle, moderne und großzügige Lesesaal, in dem die Fachbibliothek des Museums mit rund 82.000 Medieneinheiten, aber auch die musealen Bestände mit rund 1 Mio. Objekten zur Nutzung bereit gestellt werden. Für den Tresor, in dem besondere Bestandsgruppen aus den Sammlungen der Nationalbibliothek, aber auch externer Partner ausgestellt werden, liegen das Nutzungskonzept und die inhaltlichen Vorbereitungen einschließlich Exponatplan für die erste Präsentation vor. Die Bestände des Museums haben in den neuen Magazinen erstmals eine geschlossene, übersichtliche und sachgerechte Aufstellung mit durchgängig konservatorisch guten Bedingungen gefunden.
Die inhaltlichen Vorbereitungen für die zukünftige Dauerausstellung »Schrift - Buch - digitale Netze. Eine kurze Mediengeschichte der Menschheit« liegen vor und werden schrittweise an die konkrete Bauausführung der Vitrinen angepasst. Verabschiedet wurde ebenfalls das Grundkonzept für den Medieneinsatz in dem neuen Ausstellungsbereich, in dem der zeitliche Bogen von der Frühgeschichte bis heute gespannt, Interesse für die Geschichte der Medien geweckt und das Nachdenken über deren Zukunft in unserer Gesellschaft angeregt werden soll.

Projekte

ARROW Im Rahmen des Projekts ARROW (Accessible Registries of Rights Information and Orphan Works towards the Europeana), das europaweit die Ermittlung von Urheberrechtsinhabern an verwaisten und vergriffenen Werken erleichtern soll, hat ein interner Prototyp den Testbetrieb aufgenommen. Er enthält bereits die Kernfunktionen des automatisierten Rechteklärungsprozesses und das geplante »Register verwaister Werke«. Parallel dazu wurde in der Deutschen Nationalbibliothek weiter an der Einzelklärung der Urheberrechte von Titeln aus dem Wettbewerb der »Schönsten deutschen Bücher« als Musterfall gearbeitet. Die Ergebnisse dieser individuellen Rechteklärungen sollen dem automatischen Durchlauf des ARROW-Systems gegenüber gestellt werden, um so eine Aussage über dessen Funktionsfähigkeit und Zuverlässigkeit zu ermöglichen.

CONTENTUS CONTENTUS ist ein Teilprojekt von THESEUS, einem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) finanzierten Forschungsprogramm zur Entwicklung einer neuen internetbasierten Wissensinfrastruktur, um Wissen im Internet besser nutzen und verwerten zu können. Gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Industrie entwickelt die Deutsche Nationalbibliothek neue Technologien für den Aufbau von digitalen Bibliotheken und digitalen Sendearchiven. Ein komplett neu entwickelter und voll funktionsfähiger Demonstrator repräsentiert die Projektfortschritte des letzten Jahres. Erwähnenswert ist hier insbesondere die auf Basis von Nutzerinterviews neu entwickelte Benutzeroberfläche. Im Hinblick auf die Verwertungsperspektiven der CONTENTUS-Technologie stand die mögliche Anwendung im Rahmen der Deutschen Digitalen Bibliothek im Vordergrund. Die Deutsche Nationalbibliothek arbeitet darüber hinaus in einem weiteren Teilprojekt von THESEUS mit: Ziel der an ALEXANDRIA beteiligten Forscher ist es, das im Web 2.0 verfügbare Wissen besser zu vernetzen und leichter zugänglich zu machen. Dazu wird eine Wissensplattform entwickelt, die nicht nur Informationen sammelt, sondern auch dazu beiträgt, die tägliche wachsende Datenmenge besser zu verwalten.

CrissCross / MACS Das Projekt CrissCross, das die Verbesserung des Zugangs zu heterogen erschlossenen Dokumenten für die Nutzer von Bibliotheken zum Ziel hatte, ist Ende September erfolgreich beendet worden. Im Rahmen des Projekts wurde der überwiegende Teil der Sachschlagwörter der Schlagwortnormdatei (SWD) mit Notationen der Dewey-Dezimalklassifikation (DDC) angereichert, wodurch der verbale Zugang zur DDC erheblich verbessert werden konnte. Zu den 50.000 meist genutzten Sachschlagwörtern sind - in Fortführung des MACS-Projekts - Verknüpfungen zu den Äquivalenten in den Normdateien der Library of Congress Subject Headings (LCSH) und des Répertoire d'autorité-matière encyclopédique et alphabétique unifié (RAMEAU) hergestellt worden. Die Projektergebnisse wurden als Linked Open Data veröffentlicht und stehen für weitere Forschungs- und Anwendungszwecke - insbesondere im Semantic-Web-Kontext - zur Verfügung. Ebenfalls geplant und zum Teil bereits prototypisch realisiert ist die Integration der Daten in das Portal von The European Library sowie eine Nutzung innerhalb der Europeana.

DP4lib Ziel des auf zwei Jahre angelegten DFG-Projekts Digital Preservation for Libraries (DP4lib) ist es, die Möglichkeiten zum Aufbau und Betrieb eines kooperativen Dienst-Portfolios zur Langzeitarchivierung zu evaluieren und darüber hinaus ein Basis-Service-Portfolio prototypisch aufzubauen. Eine teilweise Integration dieser Services in die produktiven Geschäftsprozesse der Deutschen Nationalbibliothek wird angestrebt.

IMPACT Hauptziele des seit 2008 bestehenden EU-Projekts IMPACT (Improving Access to Text) sind der Aufbau eines Kompetenzzentrums für Massendigitalisierung von historischen Quellen und die Verbesserung der Texterkennung für historische Texte. An dem Projekt beteiligen sich 26 nationale und regionale Bibliotheken, Forschungsinstitute und Wirtschaftsunternehmen. Eine der Aufgaben der Deutschen Nationalbibliothek in diesem Projekt, die Entwicklung eines Helpdesk-Systems, das die Verteilung der eintreffenden E-Mail-Anfragen an die Experten übernimmt und deren Bearbeitung erleichtert, konnte 2010 abgeschlossen werden.

KEEP Das EU-Forschungsprojekt KEEP (Keep Emulation Environments Portable) besteht aus einem Konsortium 11 europäischer Partner unter der Leitung der französischen Nationalbibliothek. In KEEP wird an Konzepten gearbeitet, die sich mit der Erhaltung und der Bereitstellung digitaler Inhalte mit Blick auf die Langzeitarchivierung beschäftigen. Im Unterschied zu dem weit verbreiteten Ansatz der Migration liegt der Fokus bei KEEP auf dem Einsatz von Emulation zur Erhaltung und Bereitstellung digitaler Daten. Die Deutsche Nationalbibliothek widmet sich in einem eigenen Arbeitspaket der Frage des Transfers der Inhalte verschiedener, digitaler Datenträger und ihrer entsprechenden Image File Formate in kulturellen Einrichtungen, wie Nationalbibliotheken, aber auch Museen als ersten Schritt der Emulation.

KIM Das Kompetenzzentrum Interoperable Metadaten (KIM) wird von der DFG von 2006 bis 2011 gefördert. Projektpartner sind die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) (Leitung), die Max Planck Digital Library und die Deutsche Nationalbibliothek. Partner in Österreich ist die Universität Wien, in der Schweiz die ETH Zürich. Eine optimale (Nach-) Nutzung von Metadaten für digitale Informationsumgebungen, in denen heterogene Informationsbestände zusammengeführt und vernetzt werden, setzt die Interoperabilität der verwendeten Daten und Metadatenformate voraus. Daher begleitet KIM die Entwicklungen von Metadatenstandards und transferiert diese in die deutschsprachige Metadaten-Community. Zudem unterstützt KIM die Erarbeitung von Metadatenprofilen und die interoperable Gestaltung von Formaten mittels Qualifizierungs- und Beratungsangeboten. KIM hat eine Informationsplattform zu nationalen und internationalen Metadatenstandards aufgebaut und bietet dort Übersetzungen, Informationen und auch den blog-basierten KIM DINI Technology Watch Report an. Das Projekt wird gegenwärtig in eine Dauerform transferiert und unter dem Dach von DINI mit der DINI AG Internationale Standardisierung zusammengeführt.

KUR Die von der Kulturstiftung des Bundes und der Kulturstiftung der Länder geförderte Untersuchung endete im Dezember mit einer Abschlusskonferenz in Frankfurt am Main. Ziel des Projekts war es, auf der Basis naturwissenschaftlicher Untersuchungen die langfristige Wirksamkeit von Entsäuerungsverfahren zu evaluieren. Die meisten zwischen 1850 und 1980 industriell hergestellten Papiere enthalten ligninhaltige Fasern (Holzschliff) und saure Substanzen. Dies führt dazu, dass das Papier mit der Zeit seine Stabilität verliert, braun und brüchig wird und schließlich nicht mehr zu benutzen ist. Deshalb werden seit den 1990er-Jahren in Bibliotheken und Archiven Verfahren zur Entsäuerung eingesetzt, mit denen die vorhandene Säure neutralisiert und eine alkalische Reserve eingebracht wird. Als Ergebnis der Untersuchungen hat sich gezeigt, dass die große Mehrzahl der gemessenen pH-Werte nach der Entsäuerung im erwünschten Bereich liegt. Auch die alkalische Reserve, die in den entsäuerten Papieren noch vorhanden ist, entspricht in den meisten Fällen den Anforderungen. Bei der Betrachtung des Papierabbaus durch säurebedingte Hydrolyse fiel auf, dass der Effekt der Entsäuerung desto stärker ausfällt, je geringer die Schädigung zu Beginn der Behandlung bereits fortgeschritten war. Im Idealfall lässt sich der Abbau des Papiers in etwa um den Faktor drei verlangsamen.

Linked Data II Ende Juni konnte das Vorgängerprojekt zum Aufbau eines Linked Data Services erfolgreich abgeschlossen werden. Dieses hatte das Ziel, erste Erfahrungen mit der Veröffentlichung der Daten der Deutschen Nationalbibliothek als Linked Data zu sammeln, Kontakte in der Semantic Web Community zu knüpfen und zu pflegen, sowie einen ersten öffentlichen Beta-Dienst zu etablieren. Im Folgeprojekt wurde bis Jahresende die Datenbasis um die Darstellung der Projektergebnisse aus dem CrissCross Projekt erweitert, die technische Infrastruktur im Hinblick auf Skalierbarkeit, Modularität und mögliche automatische Updatemechanismen überarbeitet und zusätzliche Schnittstellen zum Zugriff bereitgestellt. Es bestehen direkte Verbindungen zu den Projekten CONTENTUS und CrissCross. Der Service bzw. die Daten werden in weiteren Institutionen und Organisationen genutzt, wie etwa der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften, der UB Mannheim, der TU Braunschweig und den über 160 deutschen Museen, die an dem Projekt »museum-digital« beteiligt sind.

LuKII LOCKSS und KOPAL Infrastruktur und Interoperabilität (LuKII) ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Projekt, das von der Humboldt-Universität zu Berlin und der Deutschen Nationalbibliothek kooperativ durchgeführt wird. Die Gesamtprojektleitung liegt bei der Humboldt-Universtität. Ziel des Projekts ist die Interoperabilität des verteilten Archivsystems LOCKSS (Lots of Copies Keep Stuff Safe) und des im BMBF-Projekt kopal entstandenen Archivsystems. Das insbesondere in den USA im wissenschaftlichen Bereich etablierte System LOCKSS bietet eine Open-Source-Software, die eine kostengünstige, redundante Speicherung bei allen vernetzten LOCKSS-Partnern als Peer-to-Peer-Netzwerk ermöglicht. Im deutschen LOCKSS-Netzwerk werden zudem die Universität Regensburg, die Bayerische Staatsbibliothek, die Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, das Forschungszentrum Jülich, die SUB Göttingen und das Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen teilnehmen. Das Projekt wird außerdem aktiv unterstützt von der Library of Congress und der Stanford University. Im aktuellen Projektschritt fand innerhalb der Deutschen Nationalbibliothek die Installation einer LOCKSS-Box und deren Integration in ein nur für die Projekt-Partner zugängliches LOCKSS-Netzwerk statt. Für die gemeinsame Dokumentation und Kommunikation wurde ein eigenes WIKI eingerichtet. Erste konzeptionelle Arbeiten für das Zusammenspiel zwischen LOCKSS und kopal wurden erstellt.

nestor Das »Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung und Langzeitverfügbarkeit digitaler Ressourcen für Deutschland« - nestor - hat die Aufgabe, die Relevanz des Themas digitale Langzeitarchivierung in Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft zu vermitteln und die Expertise zu diesem Thema zu bündeln, um so die Voraussetzung für die langfristige Archivierung des digitalen kulturellen Erbes in Deutschland zu schaffen.
nestor wird seit dem 1. Juli 2009 von seinen Partnern arbeitsteilig als Kooperationsverbund geführt. Seitdem sind vier neue Partner nestor beigetreten. Der Verbund ist offen für weitere Mitglieder; in Frage kommen alle Institutionen, die mit der Langzeitarchivierung befasst sind. Die nestor-Geschäftsstelle wird von der Deutschen Nationalbibliothek betreut. Gegenwärtig bestehen fünf nestor-Arbeitsgruppen: AG Media, AG Kooperation und Vernetzung, AG Digitale Bestandserhaltung, AG Recht und AG Emulation. Die Beteiligung in den Arbeitsgruppen ist unabhängig von der Mitgliedschaft im Kooperationsverbund möglich. Im Bereich Aus-, Fort- und Weiterbildung in der digitalen Langzeitarchivierung kooperiert nestor mit Fachhochschulen und Universitäten, die durch ein Memorandum of Understanding (MoU) an nestor angeschlossen sind. Eine überarbeitete Version des nestor-Handbuchs wurde im August veröffentlicht.

ODE Das EU-Projekt Opportunities for Data Exchange (ODE) knüpft inhaltlich an das Projekt PARSE.Insight an, an dem die Deutsche Nationalbibliothek ebenfalls beteiligt war. ODE wird Entscheidungsgrundlagen für den Aufbau und die Ausrichtung von Infrastrukturen erarbeiten, die den dauerhaften Zugang zu Forschungsdaten ermöglichen.

PARSE.Insight Im Rahmen des im Juni beendeten EU-Projektes PARSE.Insight (Insight into issues of Permanent Access to the Records of Science in Europe) haben neun Partner aus fünf europäischen Ländern den Stand der Langzeitarchivierung von wissenschaftlichen Daten und Publikationen in Europa untersucht. Dazu wurden Forscher, Verleger und Datenmanager in ganz Europa befragt: zu Gegenwart und Zukunft digitaler Archivierung in der Forschung, zur interdisziplinären Nutzung von Forschungsdaten, zur erwarteten Unterstützung und zu Verantwortlichkeiten im Archivierungsprozess. Die Fallstudien in den Geistes- und Sozialwissenschaften wurden von der SUB Göttingen und der Deutschen Nationalbibliothek koordiniert. Insgesamt beteiligten sich über 3.500 Personen an den Umfragen des Projekts. Auf den Ergebnissen basierend wurde eine Roadmap für eine europäische Forschungsdaten-Infrastruktur entwickelt. Außerdem wurde eine interaktive Karte zur geographischen Verortung von Akteuren in der Langzeitarchivierung erstellt. Alle Ergebnisse des Projekts stehen zum Download bereit.

PersID Aufbauend auf den Erfahrungen aus dem eigenen URN-Service beteiligt sich die Deutsche Nationalbibliothek seit Oktober 2009 an einem Projekt zur Vereinheitlichung und Vernetzung der Persistent Identifier (PI)-Lösungen in Europa. Ziel des Projektes mit dem Namen PersID ist es, den Aufbau einer gesamteuropäischen Infrastruktur für PIs anzustoßen.

Retrokonversion II Nach der 2005 abgeschlossenen Konversion des Alten Alphabetischen Kataloges 1913 bis 1973 wurde von 2008 bis 2010 das Projekt Retrokonversion II durchgeführt. Dabei handelte es sich um die Titel der Tonträger- und Musikaliensammlungen sowie ausgewählter Kataloge des Deutschen Buch- und Schriftmuseums und des Deutschen Exilarchivs. Alle Kataloge dienten bisher jeweils als einziges Nachweisinstrument für die darin verzeichneten Werke. Im Zuge des Projekts Retrokonversion II wurden im Zentralen Bibliothekssystem Daten zu rund 1,1 Mio. Titeln überprüft. Insgesamt erfolgten neben 661.000 Neuaufnahmen und lokalen Bestandsnachweisen 524.000 Neueinträge und Verknüpfungen mit der PND, der GKD und teilweise der SWD. Mit der Aufnahme der Daten in den Katalog der Deutschen Nationalbibliothek sind die Titel wesentlich leichter recherchierbar geworden.

SHAMAN Das auf vier Jahre angelegte Projekt SHAMAN (Sustaining Heritage Access through Multivalent Archiving) mit 16 Partnern aus sieben europäischen Ländern verfolgt das Ziel, Grundlagen für die Grid-basierte Vernetzung von Langzeitarchivierungssystemen zu schaffen. Dieser Ansatz soll eine kooperative, arbeitsteilige und effiziente Bearbeitung der ressourcenintensiven und komplexen Aufgaben der digitalen Langzeitarchivierung (LZA) ermöglichen. Ende April wurde ein unter Leitung der Deutschen Nationalbibliothek entwickelter Software Demonstrator vorgestellt. Basierend auf dem Software Demonstrator wurden drei Evaluierungsveranstaltungen (in Frankfurt bei der Deutschen Nationalbibliothek, in Vilnius und in Glasgow) mit potentiellen Anwendern eines Langzeitarchivs durchgeführt, um die im SHAMAN Projekt entwickelten Technologien und wissenschaftlichen Ansätze zu bewerten.

Herausragende Neuerwerbungen

Den Beständen von Archivalien und Exilveröffentlichungen des Deutschen Exilarchivs 1933-1945 konnten zahlreiche Neuerwerbungen hinzugefügt werden. Der Archivalienbestand wurde mit dreizehn neuen Nachlässen und Teilnachlässen deutschsprachiger Emigrantinnen und Emigranten und zwei Teilarchiven einer Exilforscherin und eines Forschers erweitert; hinzu kommen Ergänzungen bereits vorhandener Bestände. Dazu zählen der Teilnachlass des Schriftstellers David Luschnat, der Nachlass des Rechtsanwalts und Publizisten Adolf Moritz Steinschneider und weiterer Mitglieder seiner Familie sowie der Nachlass des Politikers und Vorstandsvorsitzenden der SPD bzw. SoPaDe Hans Vogel.
Unter den Neuerwerbungen von Einzelautografen ragen neben drei Briefen Thomas Manns besonders Manuskripte von Einführungsvorträgen Otto Klemperers hervor, die er in seiner Zeit als Dirigent des Los Angeles Philharmonic Orchestra vor Studenten und Kindern 1936/37 hielt.
Unter den Exilpublikationen sind besonders die Studie »Propaganda and the Nazi War Film« von Siegfried Kracauer zu nennen sowie dreizehn Ausgaben der »Rundbriefe« von Otto Lehmann-Russbueldt, ein Programmheft mit eingelegtem, sehr seltenen Tagesprogramm der Aufführung von Bertolt Brechts »Les Sept Péchés Capitaux« von 1933, eine von dem Grafiker Bertram Weihs 1944 nachträglich mit farbigen Zeichnungen versehene Ausgabe von Bertus Aafjes »Het gevecht met de muze« und die Broschüre »Are Refugees ›Enemy Aliens‹?« von Thomas Mann und Bruno Frank, die beider Aussagen vor dem »Congressional Committee Investigating National Defense Migration«, dem sog. Tolan-Committee, enthält.

Bibliothek und Historisches Archiv des Börsenvereins wuchsen unter anderem um die handschriftliche Chronik des Verlags Kurt Desch, die Festschrift zum 50-jährigen Bestehen von J. Bielefelds Verlag, Ergänzungen des Archivs der Buchhandlung Saucke und Reste des Archivs der Hermann Schroedel Verlag KG, Hannover. Die Sammlung der Antiquariats- und Auktionskataloge wurde mit etwa 200 älteren Titeln aus dem Privatbesitz des Antiquars Jens Koch und den Handexemplaren der Kataloge des Antiquariats Carl Wegner, Berlin, ergänzt.

Unter den teilweise durch die Gesellschaft für das Buch unterstützten Erwerbungen des Deutschen Musikarchivs sind neben 80 Phonographen-Walzen seltene Schellack-Schallplatten aus der Zeit ab 1897 zu nennen.

Dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum ist es auch 2010 wieder gelungen, die Sammlungen durch Ankauf und Schenkung gezielt auszubauen. Neben dem Erwerb von interessanten und wertvollen Einzelstücken sind vier komplexe Zugänge besonders herauszuheben. Ihre Bedeutung ergibt sich nicht nur durch den Umfang der Konvolute. Sie tragen deutlich zur Schärfung des Gesamtprofils der musealen Sammlungen bei und erweitern die Studienmöglichkeiten in wichtigen Themenfeldern des Museums:
Die Buntpapiersammlung Simon mit 410 Mustern handgemachter Buntpapiere aus dem Zeitraum von 1700 bis 1850; 4.000 Originalbelege sowie 1.000 weitere Nachweise von Wasserzeichen im Maschinenpapier, die die Hauptzeit der Maschinenpapier-Wasserzeichen von 1885 bis 1970 umfassend dokumentieren; 8 Original-Bilderbuchillustrationen von Eugen Oßwald zu den »Bremer Stadtmusikanten«; Materialien zur koreanischen Typen- und Drucktechnik mit diversen Rohstoffen und originalgetreuen Nachbildungen sowie einem Faksimile des berühmten »Jikji«, dem ältesten koreanischen Buch, das 1377 im Einzeltypendruck hergestellt wurde. Dokumentiert werden alle Arbeitsschritte von der Herstellung der Matrizen, über den Typenguss im Wachs- und Sandgussverfahren bis zum fertig montierten Typensatz. Die Objekte gestatten die Vermittlung der koreanischen Technologie, die etwa 80 Jahre vor der europäischen Innovation Gutenbergs entwickelt wurde.
Einzelerwerbungen für die Klemm-Sammlung, die Fachbibliothek, für die Archivalien und Dokumente zur Buch- und zur Papiergeschichte, zur Buntpapiersammlung, der grafischen Sammlung, der Sammlung künstlerischer Drucke und der kulturhistorischen Sammlung runden die Erwerbungen ab.
Als lebendiger Bildungs- und Erlebnisort für Jung und Alt hat das Deutsche Buch- und Schriftmuseum für Studierende und Auszubildende spezielle Einblicke und Arbeitsmöglichkeiten mit dem Sammlungsbestand ermöglicht. Für schulische Projekte, Familienunternehmung und Freizeitgestaltung wurde im Rahmen der kulturellen Vermittlungsarbeit ein facettenreiches Themenprogramm zur aktiven und kreativen Erkundung von Schrift, Papier und Buch angeboten.

Die Anne-Frank-Shoah-Bibliothek stand im Februar 2010 innerhalb der Veranstaltungsreihe der Ephraim Carlebach Stiftung »Salon bei Hinrichsen« im Ariowitsch Haus im Mittelpunkt. Neben dem laufenden Bestandsaufbau wurden zur Vermittlung der Themen Holocaust, Geschichte des Judentums und Anne Frank unter anderem mehrere begleitete Projekte und Unterrichtsstunden in Zusammenarbeit mit Leipziger Schulen sowie eine ganztägige Lehrerfortbildung in Zusammenarbeit mit der Bildungsagentur Leipzig durchgeführt.
Im Rahmen der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Jüdische Sammlungen wurden die Sammlung Exil-Literatur und die Anne-Frank-Shoah-Bibliothek ebenfalls vorgestellt.
Ehemalige Leipziger Juden, zumeist in Begleitung von Ehepartnern oder Kindern, die auf Einladung der Stadt an einem Besuchsprogramm teilnahmen, informierten sich über den Umgang mit jüdischer Geschichte und deren vielfältiger Erforschung und Vermittlung.
Aus den Zugängen zur Leipziger Exil-Sammlung sind besonders ein vom Autor signiertes Exemplar von Thomas Manns »Thamar« hervorzuheben sowie »Ten Poems« von Emily Dickinson, das nur in 55 Exemplaren hergestellt wurde und mit Kalligrafien der Buchgestalterin Susanne Heymann ausgestattet ist.

Ausstellungen

Die Ausstellung »Rudolf Olden. Journalist gegen Hitler - Anwalt der Republik«, die aus dem Teilnachlass Rudolf Oldens und weiteren eigenen Beständen, aber auch mit Leihgaben aus öffentlichen Einrichtungen wie dem Bundesarchiv, dem Deutschen Literaturarchiv und der University of London sowie von Privatpersonen erarbeitet wurde, hatte zum Ziel, ein möglichst umfassendes Bild von Leben und Werk des streitbaren Juristen, Journalisten und Sekretär des deutschen PEN-Clubs im Exil zu vermitteln und seine Bedeutung für die demokratische Tradition Deutschlands ins öffentliche Bewusstsein zurückzubringen. Die Biografie Rudolf Oldens wurde dabei in den Kontext ihrer Zeit gestellt, die vom Kaiserreich über den Ersten Weltkrieg und die Weimarer Republik bis zur NS-Herrschaft und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs reichte.
Das Begleitbuch enthält neben einer Biografie in Dokumenten und Bildern Aufsätze renommierter Olden-Forscher zu wichtigen Facetten im Leben und Schaffen dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit. Die Eröffnung der Ausstellung mit Rudolf Oldens in Jerusalem lebender Tochter Mary E. (Kutzi) Sufott, dem Präsidenten des P.E.N.-Zentrums Deutschland, Johano Strasser, und dem Publizisten Michel Friedman fand große Aufmerksamkeit. Positive Resonanz fand auch die Begleitveranstaltung zum Gedenken an die Bücherverbrennung mit Frido Mann und dem Geiger Vesselin Paraschkevov.

Mit zwei weiteren Ausstellungen wurden am Frankfurter Standort Aspekte der Arbeit der Deutschen Nationalbibliothek hervorgehoben:
Zum 40-jährigen Bestehen des Verlags Stroemfeld / Roter Stern wurde die Ausstellung »Tende Stroemfeld Simonetta« gezeigt und das Jubiläum mit einer gut besuchten Eröffnungsveranstaltung, an der unter anderen Roland Reuß und Klaus Theweleit mitwirkten, gefeiert.

Die Ausstellung » ›... ein sehr lebhaftes Vielerlei‹. Der Theatermann und Schriftsteller Rudolf Frank« widmete sich einem weiteren Exilthema. Als Hauptredner bei der Eröffnung konnte der Historiker und Publizist Alfred Grosser gewonnen werden.

Am Leipziger Standort konnten in Folge der Arbeiten am Erweiterungsbau in diesem Jahr keine Ausstellungen gezeigt werden. Fortgesetzt wurden jedoch die Vorbereitungen für die neue Dauerausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums, die aus kulturhistorischer Sicht die drei Medieninnovationen Schrift, Buchdruck mit beweglichen Lettern und digitale Netzwelten untersuchen wird.

Veranstaltungen

Öffentliche Autorenlesungen und Vorträge gehören zu jedem Bibliotheksjahr und auch 2010 waren wieder zahlreiche interessante Gäste in unseren Häusern: Heike Groos, Peter Härtling, Michael Krüger, Sabine Küchler, Ernesto Mallo, Frido Mann, Eva Menasse, Avi Primor, Jeremy Rifkin, Denis Scheck, Jan Seghers und Martin Walser sowie die Schauspieler Heikko Deutschmann, Hannelore Elsner, Lutz Görner, Burghart Klaußner, Dieter Mann, Felix von Manteuffel und Miroslav Nemec.

An der Luminale, der Biennale der Lichtkultur in Frankfurt-Rhein-Main, nahm die Deutsche Nationalbibliothek zum ersten Mal teil. Die interaktive Laserskulptur von Rainer Plum lockte jede Nacht zahlreiche Luminalebesucher in die Rotunde des Frankfurter Gebäudes.

Die Auftaktveranstaltung zu »Frankfurt liest ein Buch« in der Deutschen Nationalbibliothek traf, ebenso wie die ganze, künftig jährlich stattfindende Aktion, auf große Resonanz. Umrahmt wurde der Festakt, bei dem neun prominente Frankfurter aus dem Buch »Kaiserhofstraße 12« von Valentin Senger lasen, von dem Jazzmusiker Emil Mangelsdorff, Festredner war Arno Lustiger.

Im Oktober luden Bear Family Records und Firmengründer Richard Weize aus Anlass der Veröffentlichung der ersten elf CDs der umfassendsten Dokumentation des deutschen Schlagers (1926 bis 1970) ins Deutsche Musikarchiv. Es war die letzte Veranstaltung am Berliner Standort. Den musikalischen Rahmen gestalteten Angela Winkler und Götz Alsmann.

Die »Lange Nacht der Wissenschaften« in Leipzig stand 2010 unter dem Motto »Energie«. Eine Lesung unter dem Titel »Kriminelle Energie« mit dem Gerichtsmediziner und Autor Professor Dr. Wolfgang Dürwald, dem Leipziger Kriminalautor Henner Kotte und Axel Thielmann, zahlreiche Führungen sowie ein Fachvortrag zur Erdwärmenutzung beim Leipziger Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek lockten rund 700 Besucher in die Bibliothek.

Unter dem Motto »Menschen wollen Wissen! Bibliotheken im 21. Jahrhundert: international, interkulturell, interaktiv« trafen sich vom 15. bis 18. März rund 3.000 Bibliothekare und Informationsspezialisten in Leipzig. Zum vierten Mal fand hier im Vorfeld der Leipziger Buchmesse der Kongress für Information und Bibliothek statt. Die Organisation vor Ort lag in den Händen des Leipziger Ortskomitees unter Vorsitz der Deutschen Nationalbibliothek. Mit einem umfangreichen, interessanten Programm hatten die Kongressteilnehmer die Möglichkeit, sich fortzubilden und ihr professionelles Know-how zu erweitern. Als Gastland des Kongresses wurde Spanien ausgewählt, das seine Bibliothekslandschaft in Einzelvorträgen, Podiumsdiskussionen und einer Ausstellung präsentierte.

Freundeskreis

Gesellschaft für das Buch Die Gesellschaft für das Buch unterstützt als Freundes- und Förderkreis die Deutsche Nationalbibliothek bei ihren vielfältigen Aufgaben. Ihr ist vor allem daran gelegen, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Nationalbibliothek einen Beitrag zum europäischen Kultur- und Geistesleben zu leisten. Im Jahr 2010 unterstützte sie die Ausstellung über den Juristen, Publizisten und Sekretär des Exil-PEN Rudolf Olden, einen großen Ulrich Becher-Abend aus Anlass seines 100. Geburtstages und den Aktionstag zur Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes. Die Sammlung des Deutschen Musikarchivs konnte mittels Unterstützung der Gesellschaft für das Buch wieder durch den Ankauf zum Teil sehr rarer Phonographen-Walzen bereichert werden.

Fakten und Zahlen

Erwerbung (PDF, 47KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Deutsche Nationalbibliografie (PDF, 39KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Normdateien (PDF, 39KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Bibliografische Dienste (PDF, 26KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Nationales ISSN-Zentrum (PDF, 26KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Benutzung, Auskunft, Archivierung (PDF, 29KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Bestandserhaltung (PDF, 24KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Deutsches Musikarchiv (PDF, 26KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Spezialsammlungen (PDF, 33KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Haushalt und Personal (PDF, 26KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Ausbildung (PDF, 26KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Öffentlichkeitsarbeit (PDF, 26KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Ausstellungen und Veranstaltungen
Veröffentlichungen
Gremien der Deutschen Nationalbibliothek
Mitarbeit in Gremien

Letzte Änderung: 21.02.2012

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