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Sammlung historischer Abspielgeräte

Schrank-Grammophon Electrola Typ "Upright Grand Model 202"

aus dem Jahr 1927/28
(Ausführung in Eiche)

Schrank-Grammophon Electrola Typ Upright Grand Model 202 Schrank-Grammophon Electrola Typ "Upright Grand Model 202"

Das Gerät gilt als eine Art Rolls Royce unter den akustischen Grammophonen und spiegelt den End- und Höhepunkt in der Entwicklung der rein akustischen Wiedergabe von Schellackplatten wieder.

Um die Nachteile des Trichtergrammophons (Eigenresonanzen des Trichtermaterials und Frequenzgangsverzerrungen) zu minimieren, fanden in diesem Gerät diverse technische Neuerungen Anwendung. In die Technik des Geräts sind alle physikalischen Erkenntnisse über die Schallwandlung der damaligen Zeit eingeflossen.
Die Konstruktion der Schalldose (Sound Box No. 5A) ist ganz auf die Vermeidung von Verzerrungen ausgerichtet. Nadelhalter und Membrane sind so konstruiert, dass keine Verzerrungen im Hochtonbereich entstehen, gleichmäßige Schwingung der Gesamtfläche der Membrane verbessert die Wiedergabe im Bassbereich. Dies wurde durch eine sehr dünne und leichte Membrane möglich, die gleichzeitig eine hohe Steifigkeit aufweist. Diese Membrane wurde patentiert. Um eine höhere Impendanz zu erreichen, wurde die Öffnung von der Schalldose zum Tonarm möglichst groß gehalten.

Im Gegensatz zu den bislang üblichen Trichtern, kommt im Schrankgehäuse dieses Grammophons ein gefaltetes Horn (Expotentialhorn) zur Anwendung. Der Tonarm stellt den Ausgangspunkt und gleichzeitig den Anfang des Horns dar. Das Horn (hier "Re-Entrant" Tone Chamber genannt) ist mehrfach gefaltet und geteilt. Dadurch gelang es, ein wesentlich größeres Hornvolumen zu gewinnen als bisher in Geräten dieser Art üblich. Die Faltungen, Krümmungen und Teilungen wurden so realisiert, dass kaum Laufzeitverluste der Klangwellen entstanden und ein erstaunlich ausgewogener Frequenzgang erreicht werden konnte. Das gefaltete Horn nimmt das gesamte untere Schrankvolumen ein.

Die Electrola-Gesellschaft mit Sitz in Nowawes bei Berlin entstand als Tochter der englischen Gramophone Company in Hayes im Jahre 1924. Die sich langsam vom ersten Weltkrieg erholende Konjunktur machte den Schallplattenmarkt in Deutschland für ausländische Firmen wieder interessant. Da aber in Deutschland die Rechte für den Namen Grammophon, den Spruch Die Stimme seines Herrn und das Markensymbol, den vor dem Grammophon sitzenden Hund Nipper, kriegsbedingt bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft lagen, war es nötig, eine neue Marke zu schaffen.

Last update: 13.7.2012

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