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Ausgewählte Erwerbungen der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

(1601 - 1700)

Ballett, Welches von der Sämptlichen Braunschweig-Lüneburgischen Jungen Herrschafft Zu Ehren/ und in Gegenwart Des Durchleichtigsten Fürsten und Herren/ Herrn Julij Frantz, Hertzogen zu Sachsen/ Engern und Westphaln, wie auch deroselben Hoch-Fürstlichen Gemahlin […] Zu Wolffenbüttel/ Auff dem Fürstl. Residentz Hause gehalten worden. [Wolfenbüttel 1671?]. 14 ungezählte Seiten, 4° [Erworben von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Signatur: Xb 10622]

Titelblatt  "Ballet" Ballett, Welches von der Sämptlichen Braunschweig-Lüneburgischen Jungen Herrschafft Zu Ehren/ und in Gegenwart Des Durchleichtigsten Fürsten und Herren/ Herrn Julij Frantz, Hertzogen zu Sachsen/ Engern und Westphaln, wie auch deroselben Hoch-Fürstlichen Gemahlin […] Zu Wolffenbüttel/ Auff dem Fürstl. Residentz Hause gehalten worden. [Wolfenbüttel 1671?]. 14 ungezählte Seiten, 4° [Erworben von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Signatur: Xb 10622]

Beim Besuch von Herzog Julius Franz (1641-1689) und seiner Gemahlin Maria Hedwig Augusta von Sachsen-Lauenburg (1650-1681) in Wolfenbüttel führten am 8. Dezember 1671 "sämtliche junge Herrschaften zu Braunschweig-Lüneburg" ein Ballett zu Ehren der Gäste auf. Ein kleines Heftchen im Quartformat verzeichnet die 17 Entrées, Rollen und Namen der Tänzer. Das Druckwerk gilt aktuell als unikal überliefert und ist damit eine wichtige Quelle – nicht nur für die Tanzdarbietung dieses Tages in Wolfenbüttel, sondern darüber hinaus auch als Zeugnis der höfischen Tanzkultur insgesamt.
Diese entwickelte sich im Laufe des 17. Jahrhunderts auch im deutschen Sprachraum nach französischem Vorbild zu einem beliebten Medium der Repräsentation. Tatsächlich war es üblich, dass die Mitglieder der fürstlichen Familien in den Aufführungen selbst mittanzten und Tanzunterricht daher selbstverständlich zur Ausbildung der jungen Adeligen gehörte. Der Wolfenbütteler Hof verfügte im Besonderen über eine lange Tradition der Tanzdarbietungen, die zu Lebzeiten Anton Ulrichs (1633-1714) zur Blüte gelangte. Gleich mehrere Ballett-Dichtungen aus seiner Feder sind überliefert.
Die anonym publizierte Aufführung von 1671 vereint zeittypisch allegorische und mythologische Elemente: Als Götterbote leitet Merkur die Aufführung ein. Bauern und Bürger, Handwerker, Künstler und verschiedenen höfischen Gefolgsleuten machen dem Besucherpaar nach und nach ihre Aufwartung. Unter ihnen tritt auch der Erbprinz August Friedrich (1657-1676) in der Rolle des Sonnengottes Apoll im Tanz mit der Personifikation des Friedens auf, welcher so als conditio sine qua non für das Wohl der Künste figuriert. Die bislang nur in diesem Exemplar bekannte Schrift konnte aus einem US-amerikanischen Fachantiquariat für die Sammlung Deutscher Drucke 1601-1700 erworben werden.

Letzte Änderung: 01.08.2018

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