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Welcome to the AG Sammlung Deutscher Drucke

In the Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD) six libraries collaborate to build a comprehensive collection of printed literature published in German-speaking countries from the beginning of letterpress printing to the present, to provide information on it, to make it accessible to the public and to preserve it for future generations.

This venture has led to the creation of a virtual national library in which the participating libraries are responsible for the following periods:

1450 - 1600 Bayerische Staatsbibliothek München (Musical scores until 1800) (Chair)
1601 - 1700Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
1701 - 1800Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
1801 - 1870Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main
1871 - 1912 Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (Maps and newspapers: 1801-1912; Musical scores: 1801-1945)
1913 ff.Deutsche Nationalbibliothek

Last update: 01.12.2018

Buch des Monats Dezember 2018
Bach, Johann Sebastian: Weihnachts-Oratorium: BWV 248 : Autograph Staatsbibliothek zu Berlin, Preussischer Kulturbesitz / Johann Sebastian Bach ; Commentary by Christoph Wolff, Martina Rebmann. - Kassel ; Basel : Bärenreiter, [2018]. - 1 Partitur (148, 33 Seiten). ; 40 cm. - ([Documenta musicologica / 2] ; Band 54) (Faksimile-Reihe Bachscher Werke und Schriftstücke ; Band 10)
(Als Pflichtexemplar erworben im Deutschen Musikarchiv der Deutschen Nationalbibliothek; Signatur M 2018 CC 87, IDN 1166196321)

Buchcover Bach, Johann Sebastian: Weihnachts-Oratorium: BWV 248 Bach, Johann Sebastian: Weihnachts-Oratorium: BWV 248 : Autograph Staatsbibliothek zu Berlin, Preussischer Kulturbesitz / Johann Sebastian Bach ; Commentary by Christoph Wolff, Martina Rebmann. - Kassel ; Basel : Bärenreiter, [2018]. - 1 Partitur (148, 33 Seiten). ; 40 cm. - ([Documenta musicologica / 2] ; Band 54) (Faksimile-Reihe Bachscher Werke und Schriftstücke ; Band 10)
(Als Pflichtexemplar erworben im Deutschen Musikarchiv der Deutschen Nationalbibliothek; Signatur M 2018 CC 87, IDN 1166196321)

Dieses hochwertige Faksimile ist als Pflichterwerbung in die Sammlung des Deutschen Musikarchivs der Deutschen Nationalbibliothek eingegangen.

„Das Weihnachts-Oratorium mit seinen sechs Teilen ist unzähligen Menschen weltweit ans Herz gewachsen. Was für den Hörer heute so klingt, als könnte es nie anders gewesen sein, geht in Wirklichkeit teilweise auf frühere eigene Werke Bachs zurück, die er für die neue Bestimmung um textete und musikalisch anpasste. Gleich beim ersten Choreinsatz ‚verrät‘ sich Bach, wie im Autograph zu sehen ist: Als Text unterlegte er zunächst die ursprüngliche, aus einer Glückwunsch-Kantate stammende Fassung Tönet ihr Pauken, die er dann durchstrich und durch das berühmte Jauchzet, frohlocket ersetzte.
Das Autograph zeigt auch an weiteren Stellen Spuren solcher Übernahmen. Andere Korrekturen lassen den Leser quasi dem Komponisten über die Schulter schauen, wie er eine Arie schrittweise in die heutige Form brachte und auch bei kleinen Rezitativen um ihre endgültige Fassung rang. Daneben finden sich Seiten in ebenmäßiger Reinschrift.
Das nun erscheinende Faksimile dokumentiert das Autograph des Weihnachts-Oratoriums erstmals im hochwertigen Vierfarbdruck. Der Bach-Spezialist Christoph Wolff führt in die Entstehung des Werkes und die Charakteristika der Handschrift ein. Martina Rebmann (Staatsbibliothek zu Berlin) beschreibt die weitere Geschichte des Autographs.“

Quelle: Bach, Johann Sebastian / Weihnachts-Oratorium BWV 248 / Bärenreiter Verlag

Buch des Monats November 2019:
Aus Wald und Heide / Bilder von Walther Caspari. Verse von Johannes Trojan. München: Dietrich, [1909]. [15] Bl.
(Erworben von der Staatsbibliothek zu Berlin, Signatur: 53 BB 501286)

Abbildung aus Wald und Heide von Walther Caspari Aus Wald und Heide / Bilder von Walther Caspari. Verse von Johannes Trojan. München: Dietrich, [1909]. [15] Bl. 
(Erworben von der Staatsbibliothek zu Berlin, Signatur: 53 BB 501286)

Das Bilderbuch „Aus Wald und Heide“ verbindet mit Naturgedichten von Johannes Trojan und Illustrationen von Walther Caspari die Arbeiten von zwei namhaften Vertretern der Kinderbuchkunst um 1900. Der Schriftsteller Johannes Trojan (1837-1915) verfasste neben Prosaschriften für Erwachsene auch zahlreiche Gedichte und Erzählungen für Kinder und Jugendliche. Außerdem war er ab 1866 zunächst als Redakteur und von 1886 bis 1909 als Chefredakteur für das politisch-satirische Wochenblatt „Kladderadatsch“ tätig. Auch der mehr als drei Jahrzehnte jüngere Maler und Illustrator Walther Caspari (1869-1913) arbeitete nach seinem Kunststudium in Leipzig, Weimar und München für mehrere bekannte Zeitschriften – darunter „Die Jugend“, „Simplicissimus“, die „Berliner Illustrierte Zeitung“ und die „Die Gartenlaube“. Nachdem er bereits 1896 die ersten Märchenillustrationen veröffentlicht hatte, arbeitete er ab 1906 mit seiner Schwester Gertrud Caspari zusammen, der er als akademisch ausgebildeter Maler wertvolle Gestaltungshinweise geben konnte. Gemeinsam schufen sie Bilderbücher wie „Kinderhumor für Auge und Ohr“ (1906), „Kinderland, du Zauberland“ (1908) und „Frühling, Frühling überall“ (1910), die in Deutschland über Jahrzehnte zu den Kinderbuchklassikern gehörten. Die stimmungsvollen Jugendstilillustrationen von Walther Caspari in „Aus Wald und Heide“ entstanden im Kontext dieser Werke und zeigen Walther Caspari auf dem Höhepunkt seiner Illustrationskunst für Kinder. Obwohl die Bücher von Walther und Gertrud Caspari in der Staatsbibliothek zu Berlin breit repräsentiert sind, war dieser Band im Bestand bisher nicht vorhanden; die Erwerbung stellt damit eine wichtige Ergänzung der Sammlung von Jugendstilbilderbüchern dar.

Buch des Monats Oktober 2018:
Wimpffen, Victor Graf: Skizzen aus einem Tagebuche : aufgezeichnet an Bord der k.k. Corvette Caroline während der Reise nach Brasilien, den La Plata-Staaten und den portugiesischen Besitzungen an der Westküste Afrika’s, 1857 – 1858. – Als Manuscript gedruckt. – Wien : Druck der typogr. liter.-artist. Anstalt von L. C. Zamarski, 1870. – 191 Seiten, 9 ungezählte Seiten, 2 ungezählte Blätter Tafeln. – Widmung des Verfassers an Dr. Julius Staudinger, München
(Erworben von der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main. Signatur: W 3194)

Wimpffen, Victor Graf: Skizzen aus einem Tagebuche Wimpffen, Victor Graf: Skizzen aus einem Tagebuche : aufgezeichnet an Bord der k.k. Corvette Caroline während der Reise nach Brasilien, den La Plata-Staaten und den portugiesischen Besitzungen an der Westküste Afrika’s, 1857 – 1858. – Als Manuscript gedruckt. – Wien : Druck der typogr. liter.-artist. Anstalt von L. C. Zamarski, 1870. – 191 Seiten, 9 ungezählte Seiten, 2 ungezählte Blätter Tafeln. – Widmung des Verfassers an Dr. Julius Staudinger, München
(Erworben von der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main. Signatur: W 3194)

Victor Graf Wimpffen (1834–1897) beschreibt in seinem als Privatdruck erschienenen Tagebuch die abenteuerliche Reise der österreichischen Korvette Caroline als Begleitschiff der Fregatte SMS Novara, die in den Jahren 1857-59 die einzige Weltumseglung der Österreichischen Marine durchführte. Sowohl die in 21 Bänden veröffentlichten wissenschaftlichen Berichte der Novara, insbesondere der von Karl von Scherzer herausgegebene „beschreibende Teil“, als auch die zweibändige Volksausgabe machten die Expedition weltberühmt. Nach dreimonatiger gemeinsamer Fahrt trennten sich die beiden Schiffe in Äquatornähe. Die Caroline setzte ihre Fahrt in Richtung südamerikanischer Küste fort, erreichte im September 1857 Rio de Janeiro, im Oktober Buenos Aires und kehrte via Kapstadt entlang der westafrikanischen Küste im Mai 1858 nach Triest zurück. Die genaue Reiseroute lässt sich anhand einer beigegebenen farbig lithografierten Karte verfolgen. Graf Wimpffens Reisebeschreibung ist keine wissenschaftliche Dokumentation, sondern informiert im Plauderton über „Land und Leute“: Das karge Leben europäischer Auswanderer in der argentinischen Pampa wird ebenso thematisiert wie die wirtschaftlichen Verhältnisse in Uruguay oder die Verladung von Elfenbein in afrikanischen Häfen, aber auch das Leben an Bord, wie z.B. die ausführliche Schilderung einer Äquatortaufe und dem Ausbruch der Windpocken. Im Buch befindet sich eine fünfzeilige handschriftliche Widmung des Verfassers an Dr. Julius Staudinger, möglicherweise der Münchner Senatspräsident und Verfasser zahlreicher juristischer Werke Julius von Staudinger (1836-1902).

Buch des Monats September 2018:
Programmzettel des Wiener Hetzamphitheaters vom 30. April 1758 oder 1769.
(Erworben von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Signatur: DD2018 D 2)

Programmzettel des Wiener Hetzamphitheaters vom 30. April 1758 oder 1769 Programmzettel des Wiener Hetzamphitheaters vom 30. April 1758 oder 1769. 
Erworben von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Signatur: DD2018 D 2

"Dieses abscheuliche Schauspiel in Wien zu finden, und so großen Zulauf zu demselben zu finden, muß einen Fremden in Erstaunen setzen", urteilt Friedrich Nicolai (1733–1811) über die Wiener "Thierhetze" im vierten Band seiner "Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz, im Jahre 1781" (Berlin 1784, S. 630). Es sei "unbegreiflich, wie in Wien sogar Leute, die nicht zum Pöbel gehören, mit Wohlgefallen diese Grausamkeiten ansehen können […]. " (Ebd., S. 630–631.)
"Diese Grausamkeiten" bezeichneten eine Veranstaltung im "k. k. privilegirten Hetzamphitheater", die Nicolai bei seinem Aufenthalt in Wien selbst besucht hatte und bei der verschiedene Tiere in einem Kampf auf Leben und Tod gegeneinander antreten mussten.

Der Franzose Carl Defraine (ca. 1727–1768) hatte 1755 die Erlaubnis zur Errichtung des hölzernen Amphitheaters erhalten, ebenso wie das Privileg, als einziger eine derartige Institution in Wien betreiben zu dürfen. Die Hetzen fanden von März bis November immer sonntags statt. Mit wöchentlichen Umzügen durch die Stadt, bei denen die Programmzettel verteilt wurden, wurde für die blutrünstige Veranstaltung geworben. Da das Geschäft mit den Tierkämpfen äußerst lukrativ war – die "Aufführungen" waren stets gut besucht –, wurde das Hetzamphitheater nach Defraines Tod unter die Verwaltung der "k. k. Obersten Hof-Theatral Direction" gestellt, die die Konzession für den Betrieb in den folgenden Jahren an verschiedene Pächter vergab. Am 3. September 1796 kam es nach 41-jährigem Bestehen des Hetzamphitheaters zu einem verheerenden Brand, nach dem das Theater nicht wieder aufgebaut wurde und die Wiener Hetzen damit ein Ende fanden.

Eine genaue zeitliche Verortung des vorliegenden Programmzettels ist nicht möglich: Zwar sind Monat, Tag und Wochentag angegeben, die Jahresangabe aber fehlt. Durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Programmen wird ersichtlich, dass dieses Blatt vor 1775 gedruckt worden sein muss, weil spätestens ab diesem Zeitpunkt eine Vignette mit einem anderen Motiv genutzt wurde und sich das Hetzamphitheater nicht mehr nur als dasjenige "vor dem Stubenthore" bezeichnete, sondern sich den Zusatz "unter den Weißgärbern" (= in der Vorstadt Weißgerber) gab. Aus der Zeit vor 1775 sind bis auf dieses Exemplar keine weiteren Programmzettel bekannt; zwischen 1755 und 1775 gibt es damit jedoch immer noch zwei mögliche Jahre, nämlich 1758 und 1769, in denen der 30. April auf einen Sonntag fiel.

Treffender als der schon zitierte Zeit- und Augenzeuge Nicolai kann man die Wiener Hetzen im Übrigen kaum beurteilen: "Es wurde ein zahmes Schwein und mit ihm zwey hungrige Wölfe hervorgebracht, welche das Schwein in Gegenwart aller Zuschauer lebendig auffraßen. […] Dieser schändliche Auftritt war in dem Anschlagszettel folgendermaßen beschrieben: "Die Raubwölfe werden auf lächerliche Art ihren Raub nehmen." Man muß wahrhaftig eine Hetzmeisterseele haben, um nur einen solchen Auftritt zu erdenken, geschweige darüber witzeln zu wollen." (Ebd., S. 637–638.)

Buch des Monats August 2018:
Ballett, Welches von der Sämptlichen Braunschweig-Lüneburgischen Jungen Herrschafft Zu Ehren/ und in Gegenwart Des Durchleichtigsten Fürsten und Herren/ Herrn Julij Frantz, Hertzogen zu Sachsen/ Engern und Westphaln, wie auch deroselben Hoch-Fürstlichen Gemahlin […] Zu Wolffenbüttel/ Auff dem Fürstl. Residentz Hause gehalten worden. [Wolfenbüttel 1671?]. 14 ungezählte Seiten, 4° [Erworben von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Signatur: Xb 10622]

Titelblatt  "Ballet" Ballett, Welches von der Sämptlichen Braunschweig-Lüneburgischen Jungen Herrschafft Zu Ehren/ und in Gegenwart Des Durchleichtigsten Fürsten und Herren/ Herrn Julij Frantz, Hertzogen zu Sachsen/ Engern und Westphaln, wie auch deroselben Hoch-Fürstlichen Gemahlin […] Zu Wolffenbüttel/ Auff dem Fürstl. Residentz Hause gehalten worden. [Wolfenbüttel 1671?]. 14 ungezählte Seiten, 4° [Erworben von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Signatur: Xb 10622]

Beim Besuch von Herzog Julius Franz (1641-1689) und seiner Gemahlin Maria Hedwig Augusta von Sachsen-Lauenburg (1650-1681) in Wolfenbüttel führten am 8. Dezember 1671 "sämtliche junge Herrschaften zu Braunschweig-Lüneburg" ein Ballett zu Ehren der Gäste auf. Ein kleines Heftchen im Quartformat verzeichnet die 17 Entrées, Rollen und Namen der Tänzer. Das Druckwerk gilt aktuell als unikal überliefert und ist damit eine wichtige Quelle – nicht nur für die Tanzdarbietung dieses Tages in Wolfenbüttel, sondern darüber hinaus auch als Zeugnis der höfischen Tanzkultur insgesamt.
Diese entwickelte sich im Laufe des 17. Jahrhunderts auch im deutschen Sprachraum nach französischem Vorbild zu einem beliebten Medium der Repräsentation. Tatsächlich war es üblich, dass die Mitglieder der fürstlichen Familien in den Aufführungen selbst mittanzten und Tanzunterricht daher selbstverständlich zur Ausbildung der jungen Adeligen gehörte. Der Wolfenbütteler Hof verfügte im Besonderen über eine lange Tradition der Tanzdarbietungen, die zu Lebzeiten Anton Ulrichs (1633-1714) zur Blüte gelangte. Gleich mehrere Ballett-Dichtungen aus seiner Feder sind überliefert.
Die anonym publizierte Aufführung von 1671 vereint zeittypisch allegorische und mythologische Elemente: Als Götterbote leitet Merkur die Aufführung ein. Bauern und Bürger, Handwerker, Künstler und verschiedenen höfischen Gefolgsleuten machen dem Besucherpaar nach und nach ihre Aufwartung. Unter ihnen tritt auch der Erbprinz August Friedrich (1657-1676) in der Rolle des Sonnengottes Apoll im Tanz mit der Personifikation des Friedens auf, welcher so als conditio sine qua non für das Wohl der Künste figuriert. Die bislang nur in diesem Exemplar bekannte Schrift konnte aus einem US-amerikanischen Fachantiquariat für die Sammlung Deutscher Drucke 1601-1700 erworben werden.

Buch des Monats Juli 2018:
Jörg Wickram: Der Goldfaden. Ein gantz lieblich und kurtzweilige History, von eines Armen Hirten Son, Lewfrid genant, welcher auß fleissigem Studieren, Dienstbarkeit und seinen Ritterlichen Thaten eines Graven Tochter uberkam […]. – Frankfurt am Main : Weigand Han, um 1560]. – [135] Bl., Titelholzschnitt, Textholzschnitte
(Erworben von der Bayerischen Staatsbibliothek München, Signatur: Res/P.o.germ. 2107 p)

Titelblatt Jörg Wickram: Der Goldfaden. Jörg Wickram: Der Goldfaden. Ein gantz lieblich und kurtzweilige History, von eines Armen Hirten Son, Lewfrid genant, welcher auß fleissigem Studieren, Dienstbarkeit und seinen Ritterlichen Thaten eines Graven Tochter uberkam […]. – Frankfurt am Main : Weigand Han, um 1560]. – [135] Bl., Titelholzschnitt, Textholzschnitte
(Erworben von der Bayerischen Staatsbibliothek München, Signatur: Res/P.o.germ. 2107 p)

"Der Goldfaden", einer der beliebtesten Prosaromane des 16. Jahrhunderts, schildert den sozialen Aufstieg des armen Hirtensohnes Lewfrid, der aufgrund seiner ritterlichen Tugenden und heldenhaften Taten geadelt wird, die Tochter eines Grafen ehelicht und als Herr über die Grafschaft ein gottgefälliges Leben führt.
Lewfrid, der seinen Namen einem bei der Herde seines Vaters auftauchenden zahmen Löwen verdankt, wird von dem Kaufmann Hermanus und dessen Frau aufgezogen. Als er sich in die Dienste eines Grafen begibt, macht dieser ihn aufgrund seines schönen Gesangs zum Diener seiner Tochter Angliana. Lewfrid verliebt sich in die Grafentochter, die ihm zur Prüfung seiner Liebe einen Goldfaden zur Aufbewahrung schenkt. Lewfrid näht sich diesen als Liebespfand in eine Wunde auf seiner Brust ein und gewinnt so die Liebe der Grafentochter. Aufgrund des Standesunterschieds bedarf es jedoch erst zahlreicher Bewährungsproben, anhand derer sich Lewfrid über alle Standesgrenzen hinweg als der gräflichen Familie ebenbürtig erweist, die Achtung und Zustimmung des Grafen gewinnt und schließlich die Hand Anglianas erlangt. Nach dem Dahinscheiden des Grafen wird Lewfrid Herr über die Grafschaft.

"Der Goldfaden" kennzeichnet die Entwicklung der höfischen Erzählweise hin zum deutschen bürgerlichen Prosaroman. In einer Aneinanderreihung einzelner Episoden, Elementen des höfisch-ritterlichen Romans sowie von Liedeinlagen im Stil des Meistersangs wird anhand des Werdegangs Lewfrids dargestellt, wie der Tugendadel an die Stelle des Adels von Geblüt tritt. Clemens Brentano, der das Werk als "kulturhistorisches Dokument" schätzte, veranlasste 1809 eine Neuausgabe.

"Der Goldfaden" ist das zweite größere Prosawerk des Colmarer Autors Jörg Wickram (um 1505-um 1562), der insbesondere als Verfasser der Schwanksammlung "Rollwagenbüchlein" (1555) bekannt wurde und in seinen späteren Lebensjahren als Stadtschreiber in Burkheim wirkte.

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