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Zum Gedenken an Magda Heiner-Freiling (1950–2007)

Frankfurt am Main, August 2007

Magda Heiner-Freiling, die Leiterin der Abteilung Sacherschließung am Frankfurter Standort der Deutschen Nationalbibliothek, ist am 22. Juli 2007 im Alter von 57 Jahren während ihres Urlaubs tödlich verunglückt. Sie wird in unserer Erinnerung weiterleben als Kollegin, deren enormes Fachwissen wir ebenso schätzten wie ihre warmherzige Sorge um das Wohlergehen ihrer Kollegen und Mitarbeiter.

Nach ihrem 1. Staatsexamen in den Fächern Deutsch, Englisch und Erziehungswissenschaften sowie weiteren Studien in den Fächern Neuere deutsche Literaturwissenschaft, wissenschaftliche Politik und europäische Ethnologie an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz und an der Philipps-Universität in Marburg begann 1974 ihr bibliothekarischer Werdegang als Bibliotheksreferendarin bei der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main. 1976 legte sie die bibliothekarische Staatsprüfung für den höheren Dienst an wissenschaftlichen Bibliotheken an der Bibliotheksschule Frankfurt am Main ab. Neben ihrer Tätigkeit als Fachreferentin hat Magda Heiner-Freiling von der ersten Stunde an bei der RSWK-Entwicklung mitgearbeitet. Sie betreute die Belange der öffentlichen Bibliotheken mit großem Engagement und führte Anfang der neunziger Jahre die »Expertengruppe Erschließung für Kinder- und Jugendliteratur, Belletristik, Schul- und Berufs-Schulbücher«; auch hat sie sich viele Jahre in die Arbeit der Expertengruppe RSWK/SWD eingebracht.

Ihr besonderes Interesse galt der Klassifikation und dem multilingualen Ansatz von Normvokabularien. Sie war von 1994 bis 2000 Mitglied des IFLA-Gremiums »Section on Classification and Indexing / Standing Committee« und hat diese Arbeit immer mit großer Begeisterung gemacht. Darüber hinaus hat sie in den IFLA Working Groups »Working Group of Anonymous Classics«, »Working Group on Guidelines for Multilingual Thesauri« und »Working Group ›Survey on Subject Heading Languages in National Bibliographies‹« aktiv mitgearbeitet.

Magda Heiner-Freiling war die treibende Kraft bei der Einführung der Dewey-Dezimalklassifikation in Deutschland; sie war Projektleiterin der DDC-Übertragung ins Deutsche (»DDC Deutsch«, 2002–2005), Vorsitzende der Expertengruppe DDC (seit 2001) und hat das Konsortium DDC mitbegründet.

Ihre Freude an Sprachen erwies sich in der Gestaltung und tatkräftigen Mitarbeit im Projekt MACS (»Multilingual Access to Subject Headings«); aus den Erfahrungen mit der DDC erwuchs ein neues Projekt »CrissCross«.

Magda Heiner-Freiling hat in der bibliothekarischen Arbeit ein zweites Zuhause gefunden, sie ist darin aufgegangen und hat mit ihrem Wissen und ihrem Fachverstand das Bibliothekswesen wesentlich mitgeprägt. Gleichzeitig hat sie zwei Kinder großgezogen und war mit dem kulturellen Leben in Frankfurt sehr verwachsen. Als leidenschaftlich Reisende war sie viel zwischen Marokko und der Seidenstraße unterwegs, erlernte die arabische Sprache, war aber genauso für ihre Gastfreundschaft bekannt und beherbergte zu Hause immer wieder Gäste aus der Bibliothekswelt.

Vor zwei Jahren übernahm sie die Leitung der Abteilung Sacherschließung am Standort Frankfurt am Main.

Wir trauern um einen wunderbaren Menschen. Magda Heiner-Freiling war eine exzellente Expertin und engagierte Bibliothekarin – aber sie war dabei vor allem auch eine immer hilfsbereite, sich für andere notfalls auch kämpferisch einsetzende, mitfühlende Kollegin. Eine solche Kombination von Expertise und Warmherzigkeit ist rar. Sie wird uns in jeder Beziehung fehlen.

Die Trauerfeier und Beisetzung findet am Donnerstag, dem 9. August, um 10 Uhr auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt am Main statt.

Dr. Elisabeth Niggemann

Letzte Änderung: 01.03.2012

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